Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 2<SH — Betrachten wollen wir heute unter dem göttlichen Beistände diesen Ausspruch, daraus erkennen, die Hoheit, die Segensfülle, das Heil und die Herrlichkeit des Judentums und daraus die Lehre ziehen, daß wir einig und fest bleiben sollen durch das Bekenntnis im Leben und im Tode. Amen. I. Meine andächtigen Zuhörer! In die Anfänge unserer Geschichte richten wir zunächst unseren Blick. Auf seinem Sterbebette liegt der letzte der Stammväter im Lande der Aegypter, bald soll er sein Leben beschließen, das kummervolle, schmerzensreiche, sorgenbeladene Leben. Um ihn stehen seine Sohne versammelt, still und in sich gekehrt, traurig zur Erde senkend die Blicke, in deren Schoß sie so bald das Haupt des geliebten Vaters legen sollten. Tiefer Ernst breitet seine Schatten über ihre Stimmung aus, und in ruheloser Bangigkeit sehen sie der Stunde entgegen, die sie auf immer von ihrem Vater trennen sollte. Da init einem Male beleben sich die verblassenden Züge des sterbenden Patriarchen, und seine letzten Kräfte zusammenraffend spricht er mit vernehmlicher Stimme: Ihr wollt, daß ich von Euch nicht scheide, daß ich stets in Euerer Mitte fortlebe. Run denn ein Wort vernehmet, eine Mahnung beherzigt, einen Ausspruch haltet Euch stets vor Augen und es wird geschehen. Erwartungsvoll und ehrfurchtsvoll harren die Söhne des letzten Wortes aus dem Munde des sterbenden Vaters, seine bleichen Lippen regen sich noch einmal: Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig, ruft er und entschlief. Dieses letzte Wort des sterbenden Patriarchen, was faßt das nicht Alles in sich! Das verbindet die Erde mit dem Himmel, das erhebt den Endlichen zum Ewigen, das verbindet die Lebenden mit den Toten, das schlingt ein Band der Einheit um alle Erdenkinder. Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig. Dieses Bekenntnis, das wir uns znrnfen, es soll jede Zwietracht und jeden Zwiespalt aus unserer Mitte bannen. Wo dieser Ruf ertönt, da ist die lichte Höhe des reinen Judentums, da wohnt die Liebe, da weilt die Versöhnung, wo man in diesem Geiste lebt und lehrt, und wirkt und arbeitet, da erstrahlt die Lehre Israels in ihrem unvergänglichen Glanze, und mögen von außen und von innen sich Stimmen erheben, die uns die Vollwertigkeit im Bezug auf das reine Menschtum, und tut Bezug auf das echte Judentum absprechen möchten, wir haben darauf nur eine Antwort, nur eine Entgegttuttg: Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig! Wir pflegen in unserer Mitte das, was uns Alle mit einaitder verbindet und nicht das, was uns von einander trennet. Wir wollen einig sein und einig bleiben in dem Bekenntnis das nicht nur unser Schlachtruf auf dem Felde der Geschichte ist, sondern auch unser Friedens- und Versöhnungsruf an Israel und an alle Menschheit. Mit diesem Bekenntnis, welches die Wissenschaft nicht daueritd antasten kann, tvelches die ganze gebildete Welt, wenn auch ini Stillen noch, anerkenitt, können wir stolz und selbstbewußt von der Hoheit der israelitischen Lehre Zeugnis ablegen, vor Königen der Gedanken können wir von ihr sprechen und werden nicht zu Schanden. So laßt uns denn einig und fest bleiben in unserem Bekenntnis, eingedenk der letzten Worte des sterbenden Patriarchetr: Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Eivige ist einzig.