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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-12-01 · Heft 12 (1.12.1893) · p. Seite 267

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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wird der Haß und ein Ende nehmen wird alle Feindschaft und weithin strahlen wird das Licht der Versöhnung, die Herzen erwärmend, die Geister erleuchtend. So sei denn unser Vater ini Himmel, unser ganzes Leben ein Weg zu deinem Lichte, ein Lied zu deiner Ehre, rüste und stärke und stütze uns, daß wir beseelt von deinem Geiste aufrecht bleiben in den Kämpfen des Tages, in den Prüfungen des Lebens. Ja, Gott, du waltest in Ewigkeit, von den Höhen des Himmels und aus den Tiefen der Erde, von den Häuptern der Berge und aus den Gründen der Meere, aus rauschenden Wäldern und blühenden Thälern, aus kreisenden Sternen und ans wogenden Halmen ertönt Lob und Preis Deiner Heiligkeit, und überall weht Dein Geist, und überall strahlet Dein Licht. Gelobt sei Dein Name, verherrlicht Dein Reich in aller Ewigkeit. Amen. Fünfte Rede. Morgen des Versöhnnngstages. Meine andächtigen Zuhörer! Wunderbare Pracht und Herrlichkeit liegen hingebreitet über das ganze Weltall, und überall, wohin wir uns wenden, wird das Auge erfreut, die Seele erquickt und der Geist erhoben. Wie ist unser Herz so wonnetrunken, unser Blick so freudestrahlend im Anschauen der Werke Gottes, die von dem Zauber des Schönen umflossen sind. Doch giebt es da einzelne Gegenden und Länderstriche, deren bloßer Anblick uns schon erhebt, erquickt und begeistert, weil sie im Schmucke außergewöhnlichen Glanzes prangen. Hier die gewaltigen Bergriesen, um deren altersgraue Häupter die Sonne ihre goldenen Strahlenkränze windet, da liebliche Thalgründe, über die der Frühling seinen grünenden Festschmuck leget und dort waldbedeckte Berge und wildgezackte Felsen aus deren verborgenen Klüften schäumende Fluten hervorbrechen. Und mit einem solchen wunderbaren, herrlichen, gottbegnadeten Lande ist die heilige Schrift zu vergleichen, deren erhabene Bilder an unserem Geistesauge vorüberziehen. Jedes Wort, jeder Ausspruch, jede Rede, jede Wendung, jede Mahnung und jede Lehre ist da von dem Frühlingshauche erhebender Begeisterung durchzogen und von dem Schwünge lichter Gedankenhoheit getragen. Und wenn wir uns fragen, wo weilt da wohl unser Blick am liebsten in dieser Geisteswelt, die uns mit Entzücken und mit Bewunderung erfüllt,, so wird uns darauf die Antwort nicht schwer fallen, wohl dort, wo ewiger Frühling zu herrschen scheint, wo wir bald in die stillen Thäler eines tiefen Gemütslebens ausschauen und bald wieder zu den lichten Höhen einer geläuterten Geistesanschaunng aufblicken, wo Himmelsstimmen durch unsere Seele tönen, die uachklingen durch unser ganzes Denken und Fühlen und Wirken und Walten. So wollen wir denn heute in der heiligen Schrift bei dem Ausspruche stille halten, der eine solche ganze Welt von Gefühlen und Gedanken in sich birgt, der uns so oft begeistert von den Lippen entschwebet, der heute Abend beim Schlüsse des Festes der Versöhnung aus tausend und aber tausend Stimmen von der Erde zum Himmel emporklingt und der den Grund und den Kern unseres altbewährten Glaubens bildet: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig." Denn wo dieser Ruf ertönt, da ist die lichte Höhe Israels, da lebt das Judentum in seinem unvergänglichen! Glanze, da hat das reine versöhnte Menschtum seine schönste Wohnstätte.

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