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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-11-01 · Heft 11 (1.11.1893) · p. Seite 262

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (1.11.1893)
Date
1893-11-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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Weferate und Mitteilungen. Das Reich Judäa im Jahre. 6000 (2241 christlicher Zeitrechnung) Roman von Max Osterberg-Verakoff; Druckerei und Verlagshaus Stuttgart 1693 8°. Die Lorbeeren, die vor einigen Jahren der Amerikaner Bellamy mit seinem „Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887" auf dem Gebiete der utopistischen Litteratur sich geholt hat, scheinen unseren Verfasser veranlaßt zu haben, sein Glück mit einem Zukunftsbilde zu versuchen. Er hatte den originellen Einfall, die gelbste Jndenfrage, einen jüdischen Staat uns vorzuführen, das ist aber auch das einzig rühmliche, was wir ihm nachsagen können. Zu einer Utopie gehört in erster Reihe eine Phantasie, wie sie Thomas Morus hatte. Selbst Bellamy, der über unseren Autor unvergleichbar höher steht, konnte den schweren Stoff nicht bemeistern, er ist in eine Kleinkrämerei verfallen, über welche er gar viel Wichtiges vergessen hat. Er hat es aber verstanden, von der Zukunft ein ansprechendes Bild zu entwerfen und an diesem lauter Lichtseiten vorzukehren, und hat damit ein Problem gelöst, das der Beachtung wert ist. Er ist der Gegensatz dessen, was Rembrandt in der Malerei war, statt des clair-obscure hat. er ein clair-clair in höchster Potenz angewendet. Da er die Gesellschaft der Zukunft so erträumt hat, daß sie einem Jeden von uns mundgerecht wird und es verstanden hat das Schlaraffenland aus den Bestandteilen des modernen Sozialismus herzustellen, n>ar die große Wirkung seines Werkes voraus zu sehen. Auch unser Ailtor arbeitet mit lauter Lichtstrahlen, er fiihrt uns ein Judäa vor, dessen Bewohner glücklich und vergnügt für sich hinleben. Das Reich Israel, das nach einer großen, von den Finaneiers der ganzen Welt begünstigten Operation entstanden ist, umfaßt das Gebiet des alten Palästina. Im Jahre 1891 haben William E. Blackstone aus Chieago und der Staatsseeretär Blaine den Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Denkschrift überreicht, daß dieser bei den Regierungen Europas die nötigen Schritte einleite, um den Juden das gelobte Land wieder zu geben. Nach vielfachen Widerwärtigkeiten dringt dieser Plan durch, und im Jahre 6000 steht das Reich Judäa unter dem Seepter des Königs David III., eines nicht ganz verbürgten Nachkommens des königlichen Sängers, mächtig da. Das heißt, so will es uns der Verfasser glauben machen. Allein in dem Bilde das er uns vorführt, finden nur alles eher, als einen richtigen Ueberblick der damaligen Verhältnisse. Wir sehen die oberen, nichts arbeitenden Ctassen uns vorgeführt, die großeil Massen, das eigentliche Volk, es wird uns nicht vorgeführt, aus der berechtigten Besorgnis, daß dadurch die lvunden Punkte dieses | zukünftigen Staates aufgedeckt würden. Wir finden nichts anderes, als eine mos derne Großstadt, sagen wir Berlin oder Paris nach Jerusalem versetzt, wir sehen * das Leben bei dem Hellen Lichte elektrischer Beleuchtung, und können uns das dunkle Treiben denken, das in den minder beleuchteten Gassen siedend wogt. Wolf Frankfurter, der feinem aus Deutschland zugereisten Geschüftsfreuilde Ludj wig Fürsprech Gelegenheit bieten will, die Institutionen des neuen Reiches kennen zu lernen, ist ein ziemlich unbeholfener Patron, der in einer kleinen Gemeinde vielleicht ein Amt bekleiden könnte, uns aber mit den Vorteilen seiner Staatsverfassnng nicht vertraut zu machen vermag. Er ist ein Prototyp jener Juden, die überall ihre eigene Meinung in Gestalt einer Rede zum Besten geben, selbst dann, wenn dies nicht mehr ist, als die Erklärung, daß sie sich der Meinung ihres geehrten Vorredners vollinhaltlich anschließen. Wie ein solcher Mann in einem zukünftigen Staatsrathe Platz finden soll, ist uns imbegreiflich! Alles ist in diesem; MVvdMWVHM»?« ..

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