Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969795-2969807--4010-2973572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26.1 über seine Fertigkeit bewog Galachoff, dem Künstler einen dreiwöchentlichen Aufenthalt zu bewilligen, da in dieser Zeit der Paß eintreffen könne. Mit diesem Dokumente nun verlieh Rubinstein das Bureau. — Der auf der Wilnaer Zeichenschule vorgebildete Bildhauer Bernstein, welcher seit vier Jahren als Schüler Antokolskys und Dallons in Paris studirt, hat im „Pariser Salon" einen „Esra" ausgestellt, welcher aus dem Leben Esra's den Moinent wiedergibt, der Esra 9, 3 geschildert ist: „Und als ich dies hörte, zerriß ich mein Kleid und meinen Mantel, und raufte mir die Haare von Kopf und Bart und war betäubt." Die Composition, welche von der Jury mit einer „mention honorable“ ausgezeichnet wurde, zeigt uns Esra mit jammervollen Zügen, wehklagend auf einem Felsen sitzen. Ebenso ergreifend wie der „Esra" ist ein gleichfalls mit der „mention honorable“ ausgezeichneter „Jeremias", der mit halbgebeugtem Rücken und ausgebreiteten Händen über Jerusalem wehklagt. Alls dem Sockel befindet sich in hebräischer Sprache und Schrift der erste Vers der Klagelieder des Jeremias. — Ein neues Theater ersten Ranges wird in Paris gebaut. Es wird den Namen „Comedie Parisienne“ führen und seine Entstehung zwei Juden, Herrn Louis Derenbourg (Sohn des Professor Joseph Derenbourg) und Herrn Koning, dem bekannten Direktor des Gymnase-Theaters verdanken. — Rubinsteins geistliche Oper „Moses" wird ihre erste öffentliche Aufführung in Wien durch die „Gesellschaft der Musikfreunde" und unter des Komponisten Leitung erleben. — In Berlin erregte au den jüngsten hohen Festen Herr Cantor Sacher, der die Funktionen eines Vorbeters in der neuen Synagoge versah, durch seine Leistungen Aufsehen. — Der rühmlichst bekannte Violin-Virtuose Max Lewinger in Wien ist vom Unterrichtsminister Jvnesen als Professor für das königliche Conservatorium in Bukarest berufen tvorden. Der jugendliche Proffessor ist dreiundzwanzig Jahre alt und in Sulkow bei Wieliczka geboren. — In diesem Jahre hat zum ersten Mal infolge seiner Pensionirung Herr Professor Lewandowsky, der Organisator des modernen Synagogengesanges in Deutschland, den Chor in der neuen Synagoge in Berlin nicht mehr geleitet. Der interimistiche jetzige Leiter des Chores folgte den Intentionen Letvandowskys. Es wird die vielen Freunde und Schüler des Professor Lewandowsky interessireu, daß derselbe die Kunst nicht vernachlässigt und u. A. eine Komposition von Heines „Du bist wie eine Blume" verfaßt, welche allerdings nur für die Mappe des unermüdlichen Komponisten bestimmt ist, indeß von seinem unermüdeten Schaffensdrange eiir interessantes Zeugnis gibt. — Sonntag den 17. Septbr. hat im Leopoldstüdter Tempel in Wien die Trauung des beliebten Komikers Herrn Julius Wittels mit Fräulein August« Moser, welche bei ihrem Uebertritt zum Judentum den Namen Deborah erhalten hat, stattgefunden. — Am 16. September feierte der Direktor der Karlsbader Kurkapelle ein Doppel-Jubiläum. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Fest-Hymne gesungen, wovon der Text von einein katholischen Geistlichen gedichtet wurde, der protestantische Pastor setzte dieselbe in Musik und der jüd. Theater-Direktor inscenirte die Aufführung, wobei die meisten Solisten Juden waren. — Anläßlich der Gothaer Festspiele hat Herzog Erust dem Herrn Dr. Jul. Baron Königswarter in Hannover und dein Kammersänger Reichmanu in Wie» das Ritterkreuz erster Klasse des Ernestinischen Hausordens verliehen. — Am 11. Oktober fand in Fraukfurt a. M. die Vermählung des Schriftstellers Herür Ludwig Fulda mit Fräulein Jda Theumann statt.