Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
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259 der großen Jeschibah in Woloschin nnd Rabbiner dieser Stadt war. — An der Akademie in Sophia wurde Herr Dr. G. Belkowsky aus Odessa zum Professor des römischen Rechts ernannt. — In Petersburg starb am 7. September Herr Alexander Zedcrbaum der Redactenr des „Hamelitz" im 77. Lebensjahre. Sein Blatt, dein er 33 Jahre Vorstand, trug viel zur Anfklärnng der russischen Juden bei. Er schwärmte für die jüdischnationale Idee und war ein eifriger Fürsprecher und Förderer der Cvlouisativn Palästina's. — Dem Fabrikanten Herrn Isidor Goldbcrg in Petersburg, ist in Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung des Druckercimaschineubaues in Rußland — erst tut vorigen Monate verschickte Herr Gvldberg ans seiner Maschinenbananstalt die 250. Schnellpresse — der St. Annen-Orden dritter Klasse verliehen worden. — In Rahovo hat der Ritnalmordproceß am 23. September mit der Freisprechung aller Angeklagten geendet. — Zwischen Hindus und Mohamedanern gab es vor Kurzem in Bombay religiöse Uneinigkeiten, wobei leider sehr viele Juden, ivelche für Jsmacliten angesehen tvurden, von den Hindus erschlagen wurden. — Die türkische W Regierung hat, um den Verkehr ztvischen Jerusalem nnd den transjordanischen Thälcrn zu erleichtern, eine sehr schöne Brücke gebaut. Eine andere Brücke, auf dem Wege von Jaffa nach Sichem wurde in Angriff genvminen. Schließlich wnrde die Verbesserung der Straße zwischen Jaffa und Jerusalem begonnen. In Jaffa hat sich eine Gesellschaft gebildet, welche bei der Regierung um eine Concession zum Hafenbau nachsuchen null. Jaffa besitzt nämlich keilten eigentlichen Hafen, sondern bloß eine offene Rhede, weshalb das Landen mit Gefahren verbunden ist. Der Bau würde weit mehr als eine halbe Million Francs kosten. — Der jüdische Kongreß in Chikago, schreibt die „Deborah," der erste von den Kongressen der Religionen, errang einen durchschlagenden Erfolg. Er zeigte, daß an Talent und Gelehrsamkeit unser Land feinem andern nachsteht. Die Aufsätze, die binnen kurzem in einem Sammelband herausgegeben werden sollen, werden ein dauerndes Monument der Arbeit sein, welche das Jtldentnm in der kurzen Zeit, seitdenl es ein ansehnlicher Faktor in diesem Lande ist, geleistet hat. Wir dürfen uns der Hoffinliig hingeben, daß die im Lande hcrangewachsene theologische Generation sich nicht nur durch wissenschaftliche Leistnngen auszeichnen wird, so daß sie dem Mutterlaude in jeder Richtttug ebenbürtig an die Seite treten ivird. Der Eindruck, deil die Verhandltingen des jüdischeil Kongresses nach außen geutacht haben, ist durch die Presse als ein entschiedener Erfolg beurteilt worden. Ueber die Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner, ivelche vvm 23. bis 25. Angust in Chikago tagte, schreibt eben dasselbe Blatt, daß sie ein besonders erfreuliches Resultat ergeben habe. „Vor allem zeigte sie die ivachsende Neigung zur Einigung, indem jetz fast alle Rabbiner liberaler Gemeinden ihr angehören. Der Beitritt von Köhler, Gottheil und Hirsch, die als Redner nnd Gelehrte, wie als Repräsentanten der vornehmsten Gemeinden des Landes einen geachteten Namen haben, ist ein Ereignis in der Geschichte des amerikanischen Judentums. Wir sind überzeugt, daß diese Kräfte in Verbindung mit dem, was die Zentralkonferenz bisher an Talent und Einfluß in sich schloß, dem Judentum znm Segen gereichen werden, Von den gefaßten Beschlüssen sind der Fortschritt in der Ausarbeitung des Gebetbuches und die Vorbereitung eines Katechismus die bedeutendsten. Beides'ist eine Notwendigkeit und ivird, ivenn glücklich ausgeführt, dem Judentum einen mächtigen Dienst leisten. Das beste ist, daß man au eine Aitfoktroirung nicht denkt, nur das Bedürfnis soll entscheiden, wie es bei dem ältesten Gebetbuch derJuden, beim Sidur Rab Amram, vor tausend Jahren nnb bei Maimonides' dreizehn Glanbeiisartikeln der Fall war."