Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-11-01 · Heft 11 (1.11.1893) · p. Seite 258

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (1.11.1893)
Date
1893-11-01
Page
Seite 258 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969807--4007-2973569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

258 über Leone Hebräo bekannt geworden, in welcher er den Einfluß dieses Philosophen auf Spinoza darlegte. Sein Leichnam wurde nach Brody überführt und dort unter großen Ehren beigesetzt. -. Von Herrn Rabbiner Moritz Reich in Trencsen- Baan find in Wien bei Ch. D. Lippe Gottesdienstliche Vorträge (Erstes Heft) erschienen. — Am 13. September fand vor bem Schwurgerichte in Wien die Verhandlung gegen Panlns Meyer, den Pfarrer Dr. Josef Deckcrt und den verantwortlichen Redactenr des „Vaterland", Franz Doll, wegen dnrch die Presse begangener Ehrenbeleidigung statt. Der Erstgeklagte hatte einen Brief an den Zweitgeklagten gerichtet, welcher im „Vaterland" erschien und nichts weniger be behauptete, als daß im Jahre 1875 von dem Rabbi Jehuschua Leib in Ostrowo (Rußland, Lubliner Gouvernement) und anderen ebenfalls benannten Personen dieser Stadt ein Ritualmord begangen worden sei, dessen Zeuge eben der Erstangeklagte gewesen sein will. Diese ungeheuerliche Verleumdung, welche noch mit den raffinirtesten Details ausgeschmückt war, erregte ungeheueres Aufsehen und hatte zur Folge, daß die Hinterbliebenen des genannten Rabbi, welcher im Jahre 1873, also zwei Jahre vor dem erdichteten Verbrechen, gestorben ist, ferner die übrigen Beschuldigten, welche alle noch leben, dnrch den Wiener Advocaken Dr. Josef Kopp gegen die Ehrabschneider die Ehrenbeleidigungsklage erhoben. Die Verhandlung dauerte nur einen Tag, ans dem einfachen Grunde, iveil die Sachlage in Folge der Vertheidignngsart der Angeklagten eine sehr einfache war, Die Angeklagten machten nämlich gar nicht Miene, wie dies in Ehrenbeleidigungsproeessen üblich ist, den sogenannten Wahrheitsbeweis anzutreten. Meyer wurde zu vier Monaten Arrests, Dr. Deckert zu einer Geldstrafe von 400 fl., Doll zu einer Geldstrafe von 200 fl., alle Drei zum Ersätze der Kosten und zur Publicirung des Urteils im „Vaterland", in der „Neuen Freien Presse" und im „Neuen Wiener Tagblatt" verurteilt. — Ein ehemaliger päpstlicher Zuaven-Officier, Graf de Salvert, schreibt an den „Matin", um gegen das Gebahren Drunlvnt's zu protestiren und jede Jdeengemeinschnft mit dem Führer der Antisemiten abzulehnen. „Als Edelmann," so schreibt er, „verabscheue ich die Schmähung der Frauen, als Soldat und ehemaliger Adjutant des Generals de Miribi, tvar ich entrüstet, zu sehen, wie so viele wackere jüdische Offiziere angegriffen und beleidigt wurden. Als Christ endlich, als ehemaliger päpstlicher Zuave ertrage ich es nicht, daß die Religion der Liebe und Brüderlichkeit so verzerrt und entstellt wird. Der Mann, welcher sich so wüthenden Tollheiten hingibt, weiß nicht, was Religion, was Vaterlandsliebe, ja ich inöchte sagen, was Ehre ist. In unserer Mitte wird Herr Drumont keinen Beifall oder Mitschuldigen finden. Er hat sich selbst verbannt aus allen Parteien, aus allen Religionen, aus der Gesellschaft aller anständigen Menschen." — Anatole Leroy-Bcaulien setzt seine Studien über die Judenfrage fort. Er beabsichtigt nun die ökonomische Seite derselben in's Auge zu fassen und arbeitet an einem Werke „Les Juifs et le Regne de FArgent,“ welches die Juden in der Finanz-, der Barsen-, der Ackerbau- und der Handelswelt behandeln soll. — In London ist Herr Baron Je-scf Montefiorc, ein Vetter des berühmten Philanthropen Moses Montefiore, im Alter von 91 Jahren gestorben. — Der Oberrabbiner von Amsterdam Herr Dr. I. H. Dünner, ist am Geburtstage der Königin zum Ritter des niederländischen Löwen ernannt worden. — Der bekannte Finanzmann Hermann Graf Raffalowitsch, der Vater des russischen Staatsrates und Finanzagenten bei der russischen Botschaft in Paris, Arthur Grafen Raffalowitsch, ist gestorben. — Am 10. August starb im Alter von 77 Jahren der hochgefeierte Rabbi Raftall Zcwi Berlin, der nahezu 40 Jahre Leiter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.