Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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253 Charakter, die deutsche Moral, die deutsche Treue, Reinheit und Redlichkeit zu vernichten" so lautet der Jammerruf der Antisemiten-Versammlung in Berlin im Jahre 1887. Lehr schtvach müssen diese teutonischen Tugenden im Herzen der Deutschen tvnrzeln, wenn sie von einer Hand voll Juden aus diesem können gerissen werden. Man wirft den Inden vor, daß das Geld ihr Ideal ist. Wäre dem so, hätte das Judentum stets nur Reichtümer und Ruhe gesucht, hätten die Juden schon längst ansgehört Inden zn sein. Ihr Bestand beweist es, daß es nicht wahr ist, daß sie iyr ganzes Herz in das Geld gelegt haben. Wo findet man eine Rare, die ihrer Ueberliefernng, ihrem Gesetze, ihrem Gotte, mit einem Worte ihrem Ideal treuer geblieben wäre wie Israel? Welche Geschichte! Ihre Dichter haben es die Leiden eines Volkes genannt; wie lang und schmerzlich ist dieses Leiden, von Nebnkadnezar bis Antivchns, von Hadrian bis Torqnemada!" An allen Gebieten des geistigen Lebens nehmen die Inden einen lebhaften Anteil. Mit Unrecht wird ihnen vorgeworfen, daß sie nicht produktiv sind, und ans die Anklage, daß sie die Gabe der Erfindung nicht besitzen, antwortet Lervy - Beaulieu mit den Worten „sind wir nicht ungerecht, — die Wolken, die an ihrem Himmel noch gestern dicht anfgethürmt waren, erklären zur Genüge, warum kein Stern erster Klasse an ihrem Himmel glänzt." Wie der Vorwurf, so ist auch diese Antwort ungerecht, wie es mehrere Stellen unseres Buches beweisen. Waren es doch Inden, die den großen Gedanken des Sozialismus zum ersten male verkündigt haben, verdankt man doch ihnen den Wechsel, diese mächtige Stütze des modernen Handels, ihnen verdankt die moderne Litteratur den neuen Humor, uud ans dem Gebiet der Musik glänzen gar viele Sterne ersten Ranges, die ans Jakob hervvrgegangen sind. Nicht weil sie Arier umreit, haben die großen Entdecker ihre Entdeckungen gemacht und lange bevor die Ahnen unserer Kulturvölker znm Bewußtsein ihrer Menschheit gelangt sind, war schon Israel ein mächtiger Träger der Kultur. Auf allen Gebieten der geistigen Arbeit stehen die Juden, wie Lombroso es bewiesen hat, voran, und sie müssen dieses Vorrecht gar theuer bezahlen. In Folge der leichten Reizbarkeit des Nervensystems, sind sie die ersten in den statistischen Tabellen der genialen Menschen, sie nehmen aber auch die erste Stelle unter den Geisteskranken ein. „Dies sollten, so sagt Lombroso, die Antisemiten des modernen Deutschlands bedenken, wie theuer die Inden ihr Vorrecht bezahlen müssen." Leroy-Beaulien wäre kein Franzose, ivenn er mitunter den Boden strenger Wissenschaftlichkeit nicht verlasse» möchte, um einer passenden Erklärung zn Liebe eine Unwahrheit zu hehaupten. Die berüchtigte Feigheit wirft er den Juden vor und meint, daß sein Buch diesen unsterblichen Kohl auftischen muß. Die Erwiderung des Direktor Lahmann und die Ereignisse der jüngsten Tage, haben ihn eines besseren belehrt. Auch als Künstler haben sich die Juden hervorgethan. Besonders auf dem Gebiete der Musik und der Schauspielkunst hat das Judentum Kräfte ersten Ranges anfznweisen. Die angegebene Ursache der großen Vorliebe für die Schauspielkunst ist eine der geistreichsten Stellen des ganzen Buches. „Die dramatische Kunst vertritt bei den Inden die Stelle der bildenden Kunst; diese war seine Bildhauerei. Die lebenden Gestalten, die Leidenschaften, die Erregungen, die der Jude so selten mit der Palette und dem Hammer ausdrücken konnte, das haben seine Söhne und Töchter mit den Muskeln ihrer Gesichter ansgehauen, mit dem Tonfalle ihrer Stimme ansgemalt." Es >var eine arme Jüdin, die das französische Drama am herrlichsten dargestellt hat, es war Rachel, der zu Liebe Leroy-Beaulien gerne