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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-11-01 · Heft 11 (1.11.1893) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (1.11.1893)
Date
1893-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Mögen recht viele, recht tüchtige kommen, mit vereint mit unseren bisher bewährten Schwestern an dein edlen Liebeswerke mitzuarbeiten! Anfragen und Meldungen sind zu richten an den Schriftführer des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Herrn Dr. Schlesinger, Königswarterstraße 5, Frankfurt a. M. Judentum und Antisemitismus. Daß unter den vielfachen Strömungen des modernen Lebens für die Inden der Antisemitismus die widerwärtigste ist, wird jeder begreiflich finden. Es ist aber keine bloße persönliche Abneigung, die dieser Ansicht zu Grunde liegt, auch ist es nicht die rein subjektive Empfindung, die diese Bewegung bei uns hervorrnft, es ist der moralische und physische Ekel, den wir dabei empfinden. Allein, dieser darf uns nie daran hindern, diese Strömung oder Verirrung des menschlichen Geistes aus dem objektiven Standpunkte wissenschaftlicher Forschung zu untersuchen, können doch die Infektionskrankheiten auch nur durch Prüfung und mikroskopische Untersuchung der Answürfe entdeckt werden. Nachdem nun der Körper der Menschheit mit den mannigfaltigsten Gebrechen behaftet ist, miissen auch die auswurfsartigen Teile der Menschheit mikroskopisch und streng wissenschaftlich untersucht werden, denn nur dadurch kann der Weg zur Heilung eingeschlagen werden. Außer der wissenschaftlichen Aufklärung bietet aber eine objektive Untersuchung der Frage auch einen anderen Vorteil. Wenn auch nicht direkt in apologetischer Tendenz gehalten, sind doch solche Werke die mächtigsten Mittel gegen den Antisemitismus. Und trotzdem, hieße es diese Bewegung und ihren verderblichen Einfluß, den sie auf das ganze Gebiet unseres sozialen Lebens ausübt unterschätzen, wollten wir den Wert solcher Werke zu hoch anschlagen, denn diese müssen mit einer gewissen Vornehmheit, auf der Höhe einer streng wissenschaftlichen Untersuchung bleiben, und dürfen in jenen Pfuhl nicht hinabsteigen, in dem die giftige Pflanze des Antisemitismus wuchert. Die beste Waffe gegen die gemeinen Verleumdungen und Enstellungen dieser Art wäre die gleiche Dosis von Gemeinheit, doch zur Ehre des Jndeutumes sei es gesagt, diese steht ihm nicht zur Verfügung. Es inuß uns daher genügen, wenn wir den Kampf gegen diese Gemeinheit behandschuht führen, denn nur so können wir die Besten der Menschheit für unsere Sache gewinnen, und haben tvir diese, so folgt ihnen der Troß bald nach. In erster Reihe handelt es sich aber darum, die Naturgeschichte dieser Krankheit kennen zu lernen, denn die richtige Diagnose ist schon der erste Schritt zur Heilung. Der Antisemitismus ist eine ganz inoderne Krankheit, es ist eine jener vielfachen krankhaften Erscheinungen, die am Ende eines Jahrhunderts aufzutreten pflegen. So wie das an Altersschwäche leidende Jahrhundert in allen seinen Gliedern siech und krank ist, so ist die menschliche Gesellschaft unseres fin de siede schwach und gebrechlich. Der Kampf der verschiedenen Klassen mit und gegen einander, die unterirdische Mienenarbeit der Proletarier, der Haß der Nationalitäten, geben unserem sterbenden Jahrhunderte ein gar seltsames Gepräge, es erscheint, aus der Vogelperspektive betrachtet, alles so lebhaft, so bunt vermischt, und doch nicht der Puls des gesunden, kräftig schlagenden Körpers verursacht dieses merkwürdige Getöse, es ist nicht das wogende Leben, das unserem Jahrhunderte ein so eigentümliches Aenßere verleiht, es sind die heftigen Zuckungen eines riesenhaften,

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