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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-11-01 · Heft 11 (1.11.1893) · p. Seite 247

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (1.11.1893)
Date
1893-11-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 wir den Frieden, suchen wir aber auch die Wahrheit, dann können nur getrost behaupten und ansrnfen, der Boden, auf dem wir stehen, ist heilig, ist geweiht, es ist der Boden der Wahrheit. So mögest du uns, o Herr, mit deiner Kraft und Gnade rüsten, zu wirken in deinem Dienste, zu tvirken in deinem Geiste, einzustehn nach innen und nach außen für die Güter des Friedens und der Wahrheit, aus deren Bunde allein uns Heil und Segen ersprießen. Mögen die Ungeister des Streites und der Lüge, die in unseren Tagen drohend ihr Haupt erheben, schwinden und der Geist der Liebe und der Erkenntnis immer mehr zur Geltung gelangen. Laß uns leuchten das Licht deiner Wahrheit, sende uns deinen Frieden, Amen. Dritte Rede l Schrifterklärung). Zweiter Renjahrsmorge». M eine andächtigen Zuhörer! Die betende Hanna, die klagende Hagar und die weinende Rahel, drei edle von Kununer und Gram gebeugte Frauengestalten sind es, auf die das Neujahrsfest durch Vorlesungen ans der Thora und aus den Propheten unsere Erinnerung hinlenkt, und an dem heutigen Tage tritt ganz besonders ein gar merkwürdiges Bild, eine gar wunderbare Gestalt vor unser Geistesauge, geeignet uns mit heiligen Empfindungen zu erfüllen und durch unsere Seele Klänge rauschen zu lassen, die uns mächtig ergreifen und gewaltig zu sich hinziehen. In Rama wird Wehgeschrei vernommen, Jammerruf und bittere Klage. Gebrochen von schwerer Schnierzenslast, verzweiflungsvoll die Hände ringend, angstvoll den wirren Blick in die weiten Fernen hinaussendend, schwankt auf verlassenen, einsamen Wegen eine gebeugte Franengestalt dahin, eine Mutter ist's, die ihre Kinder sucht, um die verlorenen Kinder weint und ihren Jainmer zur Erde ergießt. Rahel, die Mutter Israels, zieht über die menschenleeren voin Feinde zertretenen Fluren dahin, ihre Kinder sucht sie und kann sie nicht finden, und sie klagt um die freien Söhne Judas, sie klagt um die edlen Töchter Israels, die auf fremder Erde das harte Brot der Knechtschaft und des Elends essen. Sie verzehrt sich in rasendem Gram und kein Trostquell löscht die flammenden Gluten ihres Seelenschmerzes. Da mit einem Male öffnen sich die Himmel und ein lichter Hoffnungsstrahl fällt in die finstere Nacht ihres Jammers. Rahel, ruft ihr eine Stimme zu, hemme deine Thränen, höre auf zu klagen, denn der Lohn für deine Mühe bleibt nicht aus und es bleibt eine Hoffnung für deine Zukunft. Und dieser Trostruf hat seine beseeligende, seine besänftigende Kraft auch heute noch nicht verloren. Wie einst in vergangenen Tagen ertönt auch jetzt Klage um die armen, verlassenen Söhne und Töchter Israels, die um ihres Glaubens willen aus der Heimat verbannt in die unwirtliche Fremde hinausgetrieben werden. Aber meine Andächtigen! Derselbe Gott, der Hannas Gebet erhört, der Hagars Thränen gestillt und Rahels Klage in Freude gewandelt, der wird auch unseren Schmerz lindern und in Freude verwandeln und zur Wahrheit werden wird das Wort des Propheten Jeremia, das wir soeben vernommen

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