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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-11-01 · Heft 11 (1.11.1893) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (1.11.1893)
Date
1893-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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des Verstandes. Nicht so auf dem Gebiete der Religion. Hier müssen Wahrheit und Friede sich die Hände reichen, und einen Frieden erhalten ohne Wahrheit, gegen die Wahrheit, ans Kosten der Wahrheit wäre Frevel, wäre Sünde. Richten wir noch einmal unsere Blicke ans das Heiligtum zu Silo. Josua war zu den Vätern eingegangen, die Zeit der Richter war vorüber, die Zeit der Richter, in der das Judentum im Kampfe nm's Dasein seine geistigen Güter eingebüßt hatte, die Zeit der Richter, in der jeder that, tvas Recht war in seinen Angen, die Zeit der Richter, in der Israel von götzendienerischen Anwandlungen hin- und hergeschleudert, seine geistige Sendung inmitten der Völker vergessen hatte und Eli der greise Priester von Silo giebt der Zeit das geistige Gepräge. Seine Söhne haben das Judentum zu einer Lüge gemacht, die Wahrheit fehlte in Israel, und Niemand hatte Verlangen und Sehnsucht nach ihr. Die betende Hanna hält Eli für eine berauschte Pilgerin. Er verstand den Rausch der Andacht nicht, der die Seele mit sich fvrtreißt und zu Gott emporträgt, er verstand das Lied der Hanna nicht, das Frühlingslied des erwachenden Prophetentums, das wie Totenklage über die winterlich öden Fluren des ersterbenden! Priestertums hintönte Das Jndentnn, sank damals von einer Religion des Geistes zu einer Religion des Fleisches herab. An äußerlichen religiösen Üebungen hat es da wahrlich nicht gefehlt. Opfertiere dampften auf deil Altären, und die Priester stachen gierig und lustig mit dreizackigen Gabeln in's Opferfleisch. Sie nahmen vom Volke Fleisch und betrogen es um seinen Geist. Im Innern herrschte dabei ein ganz erträglicher Friede, wenn auch von außen die Philister etwas anstürinten, die Lehre Gottes lag ruhig in der Lade Gottes begraben, das Judentnmwar zu einem Zerrbilde seiner selbst geworden und hatte vor dem Heidentume nicht viel voraus. Doch als das Licht des Judentums zu erlöschen drohte, da trat Samuel aus, der auf den Trümmern des zusammenbrechenden Priestertums das lichte Prophetentnm anfbante, der der Aenßerlichkeit, die sich im Judentume breit machte, den Krieg erklärte mit den ewig denkwürdigen Worten: Siehe Gehorsam ist besser als Opfer, Anfmerken besser als das Fett der Widder. Meine Andächtigen! Auch das Judentum zu Anfang dieses Jahrhunderts zeigte ähnliche Erscheinungen, die prophetischen Stimmen waren verstummt, das Gesetz übertvncherte den Geist, das Menschliche das Göttliche. Man sah den Garten des Judentums vor lauter Umzäunungen nicht mehr und konnte seinen Kern nicht mehr erfassen vor lauter Umhüllungen. Da als das Licht des Jndentums unterzugehen drohte, erstanden zur rechten Zeit Männer, die mit prophetischer Gehörschürfe für die religiösen Bedürfnisse der Zeit ausgerüstet, das Veraltete, Abgelebte, Hemmende und Beengende schieden und beseitigten von dem ewig frischen lebensspendenden Gehalte des Judentums, sie holten Gedankenschätze aus der Vergangenheit und fügten die gehobenen Edelsteine dem Priester-Diademe Israels ein, und unsere Lehre sollte fortab sein unser Stolz und unsere Weisheit in den Angen der Völker und nicht unsere Schmach und unsere Thvrheit. Meine Andächtigen! Das Erbe dieser Männer dürfen wir nicht preisgeben, wie es in den letzten Jahren in unserer eigenen Mitte, vor unseren eigenen Augen, unter unserer schweigenden Zustimmung geschehen, das Erbe dieser Männer, wir müssen es hoch und heilig halten, und ihre Pfade dürfen wir nicht verlassen. Wir dürfen nicht müde lverden, den Berg Gottes hinanznklimmen und das Banner der Wahrheit zu entfalten. Hinwegränmen müssen wir helfen den riesigen Felsen der Lüge von der etvig frischen Quelle unserer Lehre, und ihre rauschenden Fluten müssen sich »vieder über die öden Gefilde vermoderter Anschauungen ergießen. Pflegen

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