Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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244 erhöre unsere Gebete, bewahre unsere Häuser vor Verderben und Ungemach und erleuchte uns die dunklen Pfade unserer Zukunft. Möge das Jahr, in das wir nun eintreten, sich erweisen und bewähren für jeden von uns, für Israel und für die ganze Menschheit, als ein Jahr des Glückes, des Friedens, des Heiles und der Beseeligung. Das walte Gott Amen. Zweite Rede. Erster Neujahrsmorgen. Meine andächtigen Zuhörer! Haben tvir gestern Abend beim Eingänge des Neujahrs im Allgemeinen die Bedeutung desselben als ein Fest der Erinnerung betrachtet, das unsere Blicke in die Vergangenheit zurücklenkt, die für uns ernste Mahnungen und trostvolle Verheißungen enthält, so wollen tvir heute, angeregt und geleitet durch den soeben verlesenen Prophetenabschnitt, der unsere Aufmerksamkeit auf das alte Heiligtum zu Silo richtet, ein ganz bestimmtes Stück unserer alten Geschichte, das für unsere Gegenwart lehrreich, bedeutungsvoll und tvegweisend ist, näher in's Auge fassen und beleuchten. Getreu der Mahnung ches Neujahrsfestes wollen wir nicht vergessen der früheren Zeiten, sondern ihrer stets gedenken und die Erinnertingen, die sie uns hinterlassen haben, in unserem Geiste stets betvahren, in tinserer Betrachtung stets erneuern. Die Zukunft ist die Tochter der Vergangenheit, sie soll aber auch die Erbin derselben werden, sie sollen für uns nicht klanglos und spurlos dahingeschwunden sein, die Zeiten, die hinter uns liegen. Die Geschichte redet zu uns in einer Sprache, die jeder verstehen kann, Thaten sprechen da zu uns, und ist sie auch nicht immer die Lobrednerin, sondern vielmehr oft die Anklägerin der Vergangenheit, dann darf sie erst recht für uns nicht in Schweigen gehüllt sein. Stimmen aus der Vergangenheit sollen darum heute in unserer Mitte lebendig werden, die uns Rat und Belehrung spenden aus den vielverschlungenen Pfaden der Gegenwart. So wollen tvir denn unter dem göttlichen Beistände zwei inhaltsreiche Blätter aus der Geschichte des alten Heiligtums zu Silo aufschlagen und unsere Betrachtung an das Wort des Propheten Zacharia:,, Liebet die Wahrheit, liebet den Frieden" anknüpfend, in unserer friedensbedürftigen, wahrheitsflüchtigen Zeit näher beleuchten, was das für ein Friede sei, den wir anzustreben haben und was das für eine Wahrheit ist die wir suchen sollen. Amen. I. Meine andächtigen Zuhörer! Was Israel bei Gilgal unter Jvsuas Führung in gefahrvollen und entscheidungsreichen Tagen erhofft, in Silo, dem Standorte des ersten Heiligtums, war es erfüllt. Gefallen waren die Mauern Jerichos, Ais Helden waren geschlagen, gebrochen war Adoni-Zedeks Macht, und Jabins gewaltiges Heer war vernichtet. Einunddreißig Könige legten als Besiegte ihre Kronen vor Josua hin und der Beginn des Gottesreiches, eine Zeit der Ruhe und des Friedens schien für Israel gekommen. Josna legte das Schwert bei Seite und begann durch Belehrung sich dem Wohle des Volkes zu widmen, das Heiligtum wurde in Silo