Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Ja, aus der Finsternis wollen nur uns zum Lichte emporringen. Was menschliche Willkür zerstört, das soll der göttliche Geist wieder aufbauen und im Rückblick in die Vergangenheit, die ihren ersten Mahnruf an uns ergehen läßt, wollen wir uns erheben und erkräftigen uns zum Heile, Gott zur Ehre, der Welt zum Segen. Aber meine Andächtigen! Nicht nur eine ernste Mahnung, sondern auch eine tröstende Verheißung kündet uns die Erinnerung an die Vergangenheit. Es geht ein Zug fortschreitender Entivicklung wie durch die Geschichte der Menschheit, so auch durch die Geschichte des Judentums, sie ist von der Hoffnung auf das Licht, das einst die ganze Menschheit bestrahlen und nie wieder in's Dunkel sich verlieren soll, getragen und geleitet. Die Erinnerung an die Vergangenheit soll uns jede Furcht nehmen, uns mit Mut rüsten für die Zukunft »nd uns hinanstragen über die traurigen beklagenswerten Erscheinungen der Gegenwart. Denke Israel, an die Tage deiner Vergangenheit und befrage die Jahre der früheren Geschlechter, ruft das heutige Fest nns zu und fürchte dich nicht. Unsere Lehre wird nicht schwinden, wird nicht untergehen, nnd Israel der Träger derselben ist unvergänglich, unsterblich, nnd wenn auch alle Welt gegen es ankümpft, es wird, es kann nicht nnterliegen. Mag man von außen durch den Ansturm der Verfolgung es bedrohen und von innen durch klägliche Erschlaffung seines Geisteslebens, es lebt nnd wird leben und Zeugnis geben, wenn nicht jetzt dann später, von der Größe Gottes und von der Hoheit seiner Sendung. Die Lehre Israels, sie hat schon manchen Riesenbau des Menschenwahnes stürzen und manche stolze Erdenmacht in Trümmer sinken sehen. Noch ist die Geschichte Israels nicht zu Ende, denn noch ist die Zeit nicht gekommen, wo die Erde voll ist von Erkenntnis, wie Wasser die Meere bedecken. Sehet um Euch, die Menschheit bildet noch immer nicht den einigen Bruderbund, der den Willen Gottes mit ganzem Herzen erfüllt, wie wir es an unseren heiligen Festen in unseren Gebeten so sehnlich erflehen. Noch reißen Haß nnd Leidenschaft die Meiischenherzen aus einander, die in Liebe geeint sein sollten, und noch flammen die Feuer der reinen Erkenntnis von dem Bruderbünde der Meiischheit nicht in den tonangebenden Geistern der Welt. Wir können, wir dürfen nicht auf halbem Wege stehen bleiben, wir dürfen nicht die Fahnen senken, die Waffen strecken oder gar feige das Schlachtfeld verlassen, wir müssen ausharren, nur haben noch einen großen Berus, wir haben noch eine hohe Sendung in der Geschichte zu vollführen. Laßt nns jeder Einzelne in unserer Mitte unser Streben, Wollen nnd Wirken mit dem großen Berufe Israels in Einklang setzen und in Zusammenhang bringen, dann wird die trostvolle Verheißung des Festes auch an uns zum Segen werden und unser Leben an Wert und Bedeutung gewinnen dadurch, daß wir ihm einen so edlen hohen Gehalt verleihen. So wollen nur denn, meine andächtigen Zuhörer, nns von der Mahnung und Verheißung des Festes durchdringen lassen in einer Zeit, in der große Entscheidungen für die Zukunft sich vorbereiten, auf daß wir ans der Betrachtung, der Vergangenheit »mm Blut für unser Wirken in der Zukunft gewinnen. Zn dir aber, v Vater im Himmel, wollen nur uns in dieser weihevollen Abendstunde erheben, in Ehrfurcht "deinen heiligen Namen bekennen und in Demut unser Herz vor dir beugen. O gnadenreicher himmlischer Vater, banne jeglichen Haß ans den Herzen der Menschen, und gieb, daß das Band der Liebe und der Eintracht sie alle umschlinge und umschließe. Laß deine Huld uns zu Teil werden, deinen Segen uns zuströmen, vernimm unseres Herzens Flehen,