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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-10-01 · Heft 10 (1.10.1893) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 10 (1.10.1893)
Date
1893-10-01
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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s*v,•' -■ . , '-V;- ’•■ 7 , >- -rf jb; — 227 — Ein Prinz am ,'pofc der ägyptischen Königstochter, verläßt er willig nnd freudig die Stätte der Bildung, des Reichtums, der Pracht nnd Ehre nnd geht hinaus, um seine gehetzten nnd bedrängten Brüder, die in dein dumpfen Luftkreis der Knechtschaft großgezvgen wurden, aufzusuchen, in ihnen Selbstachtung und Zuversicht, Menschenwürde und Mut, Gemeingeist und Begeisterung zu erwecken. Wegen seiner eifervollen Tat muß er fliehen nnd mit einem Schlage seine ganze hoffnungsreiche Zukunft anf's Spiel setzen, aber die Bvrsehnng verläßt ihn nicht. Ein Priester und Fürst nimmt ihn liebevoll in seine Familie ans und von nun an kann er ein sorgenloses Leben führen. Trotz alledem klingt in feinem Innern forttvährend der Ruf: „Sei deiner Bestimmung bedacl>t, geh und fordere das Erlösungswerk, das Wohl und Heil deines Volkes." Und er zögerte keinen Augenblick, seinem inneren Triebe Folge zu leisten. Vajc-rock Alosdieh min lmlmv el Imam. Mose stieg vom Berge zum Bolle herab, um Israels Zukunft nnd sittliche Größe zu begründen nnd mit all seinen Kräften nnd Mitteln au der Erhaltung nnd Förderung, Führung und Berwaltung des Gesamtivesens niitznivirken. Wird nicht die Stimme des Gewissens laut in uns, sowie die lichtumflossene Gestalt unseres Lehrers Mose vor unserer Seele anftaucht? Lebt denn auch in uns so ungetrübt der Gedanke für das Ganze, die ernste tatkräftige Teilnahme für das jüdische Gesamtleben lmd Gemeinwesen? Ist nicht vielmehr gelähmt der Eifer, geschwunden die Bereitwilligkeit nnd Hingebung, dem Stamme, der Religion zu dienen? Wir bleiben zwar nicht ungerührt von den Zurücksetzungen nnd Verunglimpfungen, welche uns bedauerlicherweise treffen, aber kommen nur nicht gar oft mit einer ganzen Wafsenrüstnng vvit Vorsicht mid Rücksichten, Absichten und Ausflüchten, selbst wenn es gilt die unerläßlichen Bedingtmgen für den Bestand und für die Geltung unserer Religion und unserer Gemeinschaft zu festigen? Wie bequem ist es doch, uns hinter diesen Sehntzwällen zu verschanzen! Und sind wir nicht zuweilen bereit, zu vergessen nnd sogar zu verlengnen, daß wir Sohne eines Stammes sind? Wie wäre sie sonst erklärlich, die ängstliche Scheu mancher unserer Glaubensgenossen, ihr Judentum zu bekennen, die Sucht, mit denen zu verkehren, deren Abneigung gegen uns offenkundig ist und diesen Verkehr gewissermaßen als Bevorzugung und Ehre zu schätzen? Und gilt nicht für gar Manche besonders unter denen, die als Juden durch Bildung nnd vornehme gesellschaftliche Stellung hervorragen, als eine ungehörige Znmuthnng, wenn man sie einmal auch an den Dienst des jüdischen Gemeinwohls mahnt? Ist nicht unter ihnen selbst eine Denkungsart vorherrschend, bei welcher keine lebhafte Sorge für die öffentlichen Angelegenheiten, keine eifrige Deilnahmean den Schicksalen des Gemeindewesens, kein Interesse für das Geistesleben innerhalb des Judentums möglich ist? Nimmt nicht gerade unter den Besseren die Zahl jener Gleichgültigen zu, die nur in einem äußerst lockeren, losen Zusammenhänge mit dem väterlichen Stamme, mit der mütterlichen Religion stehen und sich nur durch ihre Geburt nnd zu ihrem Mißvergnügen als die unseren fühlen? In der Flucht der rauhen Zeit, wo man uns noch in Ketten geschlagen, da schmiedete das herbe Geschick fest aneinander die Herzen. Es war ein Zusammenleben, Zusammensühlen, Zusammenwirken und da war kauin Einer so groß, stand kaum Einer so hoch, daß er sich von seinen Brüdern abgeschlossen hätte. Heute aber scheinen die Gebildeten nnd die durch ihre Stellung Bevorzugten imter uns völlig zu übersehen, ivelch große Gefahr unserer Gemeinschaft dadurch droht, daß die Studirten sich ans ihrer Vereinzelung nicht anfzuraffen vermögen. Tenn gerade ihre indifferente Zurückhaltung und Entfremdung vom Iudentnme führt,

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