Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 207 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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die zur Erhöhung der Einnahmen des Verbandes einzuschlagenden Wege zum Gegenstand hatte. Herr I. Steinberg-Münster wies in seinem Referate auf die großen, unbedingt erforderlichen Ausgaben des Verbandes hin, für die eine größere Einnahme geschaffen werden müsse. Von den Ausgaben erwähnen wir besonders diejenigen zur Unterstützung leistnngsunfähiger Gemeinden behufs Einrichtung eines geordneten Religionsunterrichtes. Im verflossenen Jahre wurden fünf Gemeinden unterstützt, während augenblicklich noch mit sieben weiteren Gemeinden über ihre Unterstützungsbedürftigkeit behufs Einrichtung des Religionsunterrichtes verhandelt wird. Daß itt Anbetracht der zu solchen Zwecken gemachten Ausgaben eine Erhöhung der Einnahmen des Verbandes erforderlich sei, wurde von der Versammlung rückhaltlos anerkannt. Verschiedene der anwesenden Delegirten zeigten infolgedessen sofort die erhebliche Erhöhung des jährlichen Beitrages ihrer Gemeinden an; andere stellten die Erhöhung dieses Beitrages in sichere Aussicht. Diese freudige Opferwilligkeit verdient alle Anerkennung und wir können nur wünschen, daß sie bei allen Verbandsgemeinden eifrige Nachahmung finde. Nachdem die Tagesordnung erledigt war, wurde der dritte ordentliche Gemeindetag gegen 4 Uhr Nachmittags von dem ersten Vorsitzenden geschlossen. An die Verhandlungen reihte sich ein Festmahl, an welchem sich annährend 100 Personen beteiligten. Auch hier war die Stimmung eine ganz vorzügliche. Den Kaisertoast brachte Herr Sanitätsrat Dr. Blankenstein-Dortmund in zündenden Worten aus. Die Versammlung stimmte begeistert in das Hoch ein. Aus der Reihe der übrigen Toaste, die von der freudig gehobenen Stimmung der Anwesenden über den schönen Verlauf des Verbandstages Zeugnis ablegten, heben wir als besonders beachtenswert die Worte des Herrn Hirschland - Essen hervor, welcher als einer der Vertreter der rheinischen Nachbar-Gemeinden auf dem westfälischen Gemeindetage dem Empfinden Ausdruck verlieh, den die Verhandlungen des Tages auf ihn gemacht. Die warmherzigen, begeisternden Worte des Herrn Hirschland fanden freudigen Wiederhall in den Herzen der westfälischen Delegirten und wurden mit großem Jubel aufgenommen. An das Festessen schloß sich ein Festspiel, welches sowohl durch Form, Inhalt und Darstellung, als auch durch die kostbare und geschmackvolle Dekoration lebhaften Beifall erntete. Der Verfasser des Festspiels, Herr S. Freund-Dortniund wurde, ebenso wie die Darsteller, zu wiederholten Malen stürmisch hervorgerufen. So nahm der dritte Gemeindetag des westfälischen Gemeindeverbandes einen in jeder Beziehung glänzenden Verlauf. Hatte einerseits die Gemeinde Dortmund alles aufgeboten. um ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, so brachten anderseits die Delegirten diejenige Schaffensfreudigkeit und den Ernst mit, welche die ersten Bedingungen erfolgreichen Arbeitens sind. Wir zweifeln deshalb nicht daran, daß der dritte ordentliche Gemeindetag des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens seine segensreichen Früchte tragen wird. — In einem Vortrage, den Herr Rabbiner Dr. Stern aus Kiel im jüdischen Litteraturvereine in Hamburg gehalten, äußerte der Redner sich über Italien wie folgt: „Italien bildet das Ziel der Sehnsucht für den Katholiken, denn in der Hauptstadt des sonnigen Reiches thront das Oberhaupt seiner mächtigen Kirche. Italien! ruft der Jude aus, und erinnert sich der Thatsache, daß dies Land das einzige ist, welches keine Judenverfolgung kennt und neben Frankreich und Nord-Amerika der einzige Staat ist, in welchem die Inden-Emanzipation vollständig durchgeführt ist. Und welche Erfolge hat die vollständige Durchführung der Emanzipation unter den italienischen Inden gezeitigt! Obgleich die Zahl der Juden nur