Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Begrüßungsrede au die Versammlung das Wort erteilte. Hierauf wurde in die Verhandlungen eingetreten. Punkt 1 der Tagesordnug: „Bericht über die Thätigkeit des Verbandes im zweiten Geschäftsjahre" fand schnelle Erledigung, da der gedruckte Bericht vorlag und bereits mit der Einladung zu dem Verbandstage an die Gemeinden versandt worden war. Aus dem Kassenbericht heben wir hervor, daß die Einnahmen und Ausgaben im verflossenen Geschäftsjahre mit Mk. 3725,37 balancirten. Der von dem Ausschuß vorgelegte Lehrplan für den Religionsunterricht an den höheren Schulen bis zur Ober-Tertia bezw. bis zur 1. Klasse der höheren Mädchenschulen einschließlich, wurde einstimmig angenommen und der Ausschuß mit den vorbereitenden Schritten zur amtlichen Einführung der Pläne betraut. Für die Volks- und Religionsschulen sind, wie der gedruckte Bericht hervorhebt, bereits im verflossene» Jahre seitens der Unterrichtskommission des Verbandes einheitliche Pläne iin Anschluß an den vom vorigen Gemeindetag genehmigten Normallehrplan ausgearbeitet worden, die, nachdem sie vom Ausschuß einstimmig angenommen waren, den Regierungen zu Münster, Minden und Arnsberg mit der Bitte überreicht wurde», die Negierungen möchten die Pläne und die in denselben empfohlenen Lehrbücher einer genauen Prüfung unterziehen und eventuell den ihnen unterstellten Kreis-Schulinspektoren die Weisung erteilen, daß sie bei künftigen Schulrevisionen der Prüfung im jüdischen Religionsunterricht die Pläne des Verbandes zu Grunde legen. Die Regierungen zu Münster und Minden haben bereits im zustimmenden Sinne geantwortet; von Arnsberg steht die Antwort noch aus, doch hofft der Verband zweifellos auch hier auf bereitwilliges Entgegenkommen, so daß hierniit die Frage der Inspektion des jüdischen Religionsunterrichtes an den Volksschulen Westfalens ihre endgültige und zweckentsprechendste Lösung gefunden haben wird. Aber auch für die Religionsschulen ist durch einstimmigen Beschluß des diesjährigen Gemeindetags die Einführung der regelmäßigen Inspektion durch bewährte Fachmänner nunmehr beschlossen. Wir begrüßen diese Thatsache mit freudiger Genugthnung weil wir in ihr die sicherste Garantie für die gedeihliche Entwickelung des Religionsunterrichtes erblicken. Der weitere Punkt der Tagesordnung: Antrag der Gemeinde Witten: „Der Gemeindetag wolle den Ausschuß mit der Herausgabe eines Schullesebuches für die jüdische Volksschule, bezw. mit der Umarbeitung eines der vorhandenen Lesebücher für dieselbe beauftragen," wird nach eingehender Begründung durch Herrn Ostwald-Witten und nach längerer Debatte angenommen, ebenso der folgende Antrag, der die Herausgabeeines einstimmigen Synagogen-Gesangbuches mit Noten fordert. Die Herausgabe bezw. Umarbeitung des Lesebuches wird dem Ausschuß seitens des Gemeindetages zur beschleunigten Erledigung anempfohlen. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete die Vorlage und Beratung des von Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein in Stettin im Aufträge des Ausschusses ausgearbeiteten Gebetbuchentwurfes, welcher bereits in vielen Komissionssitzungen eingehend durchberaten war und nunmehr dem Gemeindetag zur definitiven Beschlußfassung vorlag. Der Entwurf fand die Zustimmung der Versammlung in solch' hohem Maße, daß seine Annahme einstimmig erfolgte, ein Resultat, welches mit lebhaftem Beifall.aufgenomiuen wurde. Und in der That verdient dies Ergebnis; auch die freudigste Anerkennung, weil dadurch der Zerfahrenheit, die in den verschiedenen Gemeinden durch Gebrauch der verschiedensten Gebetbücher hervorgerufen wurde, endlich gesteuert wird. Mit der Drucklegung des neuen Gebetbuches wurde der Ausschuß beauftragt. Eine längere Debatte rief Punkt 9 der Tagesordnung hervor, der die Beratung über