Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-09-01 · Heft 9 (1.9.1893) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969805--3955-2973515
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

208 38,000 beträgt, also kaum halb so viel wie die Zahl der Juden Berlins, finden wir dort doch die angesehensten Staatsbürger. Dort begegnet uns zuerst Luigi Luzzatti, der jüdische Finauzminister und Professor des Staatsrechtes zu Padua, alsdann der Jude Giacomo Malwano, der Staats-Sekretaer im Ministerium des Aeußeren, der den Ausspruch gethan hat: „Unsere Religion verlangt und fordert, daß die Pflichten gegen das Vaterland nicht vor denen gegen die Religion zurückstehen." Ein weiterer hervorragender Jude ist das Mitglied des Senats, das bekanntlich ebenso, wie die Mitglieder des preußischen Herrenhauses, vom König ernannt wird, Isaak Artom, der einst die rechte Hand Cavour's gewesen. Alsdann finden wir dort den jüdischen Dichter Massarani, der im Jahre 1887 Italien am Grabe Viktor Hugo's vertrat. Auch einen aktiven jüdischen General giebt es in diesem klassischen Laude." — Herr Dr. Simonson hat der Stadtgenieinde Godesberg 60000 Mk. zu wohlthätigen Zwecken überwiesen. — Die kürzlich verstorbene Frau Schie in Dresden hat ihr ganzes Vermögen testamentarisch für die dortige jüdische Gemeinde bestimmt, und zwar 600,000 Mark zu wohlthätigen Zwecken und 240,000 Mark zum Neubau einer. Synagoge. — Der verstorbene Pfarrer Wuche vermachte laut eröffnetem Testament der Stadt Iauer 700,000 Mk zur Unterstützung von Schülern und Studenten katholischer, evangelischer und jüdischer Religion. — In Frankfurt a. G. wurde ein Betsaal der orthodoxen Gemeindemitglicder durch Herrn Dr. Ackermann eingeweiht. — Der Israelitische Frauenverein in Frankfurt a. W. veröffentlicht seinen 45. Jahresbericht. Im Jahre 1892 wurde» 4 Zöglinge ausgenommen und 6 entlassen, so daß zu Ende des Jahres 26 Zöglinge in der Anstalt waren. Davon besuchen 23 hiesige Bürger- und Volksschulen, 6 werden im Hause und in der Küche für ihren zukünftigen Beruf vorbereitet. Von dem Verein zugegangenen Gaben ist vor Allem die Rothschild'sche Spende von Mk. 10,000 zu erwähnen. Im Ganzen betrugeu die Geschenke und Legate Mk. 20,128, die Mitgliederbeiträge Mk. 4656, die Ausgaben Mk. 20,985. — Ätan berichtet: Jüngst hat Herr Dr. Maybaum, Rabbiner in Kerlin eine Predigt drucken lassen, die er am siebenten Tage des Passafestes in der neuen Synagoge gehalten hat. Der Ertrag ist der jüdischen Taubstummenanstalt in Weißensee bestimmt; aber nicht nur der Erlös dient einer Wohlthat, die Predigt selbst ist eine Wohlthot und vielleicht wird sie manche Herzen erwecken. „Fürchtet euch nicht und sehet die Hilfe Gottes!", ist der Text der Rede. Fürchtet euch nicht vor Menschen, sondern fürchtet Gott. Scharf tadelt er die Glaubeuslosigkeit und den Aberglauben. Mit Recht erinnert der Prediger daran, daß eine Minderheit, um sich zu behaupten, einen höheren Grad von Sittlichkeit als ihre Umgebung bekunden müsse. Alles Sammeln zur Abwehr habe eine sekundäre Bedeutung gegenüber der religiös-sittlichen Läuterung, die allein im Staude ist, unsere Feinde dauernd abzuwehren. Möge diese Rede viele verständige Leser finden! — Am 11. Mai hielt der Oberschlesische Rabbiner-Verband in Gleiwitz seine Versammlung ab. — Am 24. und 25. Mai tagte iii Stettin der Provinzialverband der Rabbiner von Ostpreußen, Westpreußen und Pommern unter Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Samberger aus Königsberg. — Am 31. Mai wurde in Kosen in feierlicher Weise der Grundstein zu dem von Herrn Woritz Kohr aus Berlin begründeten Kranken- und Siecheuhause gelegt. Die Weihrede hielt Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld. Es sprachen ferner aus diesem Anlasse die Herren Samuel Schönlank, Herr Dr med. Ludwig Friedlaender und Herr Regierungsbaumeister Lauber. — Herr Dr. Samuel Freund, vom Rabbinerseminar in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.