Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 teilung auf die Eingabe feinet* Gemeinde Oberdorf hin wegen einer im Mai v. I. gehaltenen Predigt behufs Abrogierung der Gebete um Rückkehr nach Palästina und Wiedereinführung der Opferkulten aus der Liturgie vor einem halben Jahre von der israelitischen Oberkirchenbehörde auf unbestimmte Zeit suspendirt worden. Der Kampf gegen Lüge und Unkultur ist nach der innersten Ueberzeugnng des Redners sittliche Pflicht jedes Rechtschaffenen und redlich Denkenden, zumal des Geistlichen, der hiezu moralisch verpflichtet ist, die Sonde der Logik, das Seciermeffer der Wahrheit an die Schäden und Wunden seines Volkes mit unerbittlicher Strenge und Rücksichtslosigkeit anzulegen, um dadurch die Gesundung und Regeneration des Organismus thunlichst herbeizuführen. Hiezu bedarf es zunächst eines unabhängigen Rabbiuerstandes, der nicht Schleppträger der Plutokratie sein dürfe. Statt die Ankunft eines persönlichen Messias zu erflehen, müsse das baldige Herrannahen des Gottesreiches, der Anbruch des Völkerfrühlings ersehnt werden, in dem die Schranken und Scheidewände zwischen Brüdern und Gotteskindern schwinden würden. Alle Menschen, die überhaupt an Gott glauben, ihren Nächsten lieben und moralisch leben, sollen sich über die trennenden Formen, Normen und Dogmen hinwegsetzen und nur das Gemeinsame in's Auge fassend, zu einer festen Phalanx in einem interkonfessionellen Friedensbunde sich vereinen und versöhnen, zu gedeihlicher und ersprießlicher Thätigkeit für das Allgenieine verbinden und verbrüdern, dadurch allein würde die vom Propheten vorhergesagte und vorhergesehene Messiaszeit zur Wirklichkeit werden, eine neue, freie herrliche Epoche für die gesamte Menschheit anbrechen! Das staatliche, sittliche und göttliche Leben müsse auf den drei unerschütterlichen Pfeilern: Wahrheit, Recht und Friede fest begründet sein, einen unzerstörbaren Damm bilden gegen die dämonischen, revolutionären Mächte des Atheismus, Anarchismus und Antisemitismus. Letzterer besonders habe keine Berechtigung, weder vom Standpunkte des Christentums, noch von dem der Politik, wenn nur das Judentum selbst sich bemüht, den inneren Feind, die Gleichgültigkeit und Frivolität nach Kräften zu bekämpfen. Die ehrliche Reformpartei des Judentums müsse die in ihm ruhenden Wahrheiten zur Gestaltung bringen. Gegen die Konservativen und Orthodoxen möge man Toleranz und Nachsicht üben, dagegen sollten auch erstere den Fortgeschrittenen einen Sonntagsgottesdienst in deutscher Sprache konzedieren. So allein würde sich das schöne Wort des Propheten erfüllen und bewahrheiten: Mein Haus sei ein Bethaus für alle Völker! Andererseits böte sich aber dann auch den Gegnern des Judentums die günstige Gelegenheit, die jüdischen Lehren und Riten durch Autopsie kennen zu lernen und so von ihren finsteren Vorurteilen geheilt zu werden. — Man berichtet uns: Am 28. Mai fand iin „Kölnischen Hofe" zu Dortmund unter überaus reger Beteiligung der westfälischen Gemeinden der dritte ordentliche Gemeiudetag des Verbandes der Synagogen- Genieinden Westfalens statt. Vertreten waren 26 stimmberechtigte Gemeinden mit 52 Delegirten. Außerdein wohnten gegen 50 Gäste aus den verschiedensten Gemeinden den Verhandlungen bei, unter anderem als Vertreter der Nachbargemeinde Essen, die Herren S. Hirschlaud, Schwarz, H. Hirschland und Geldern. Die Verhandlungen nahmen einen glänzenden Verlauf und legten ein schönes Zeugnis ab für die einmütige Opferwilligkeit und das redliche Wollen der westfälischen Gemeinden, auf dem Gebiete des Kultus- und Schulwesens möglichste Einheit zu schaffen. Eröffnet wurde die Sitzung um 9 Uhr Vormittags, durch den ersten Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Banquier M. Katzenstein-Bielefeld, welcher zunächst Herrn Ad. Elias-Dortmund zu einer, überaus herzlich gehaltenen