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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-09-01 · Heft 9 (1.9.1893) · p. Seite 204

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 Befehl ergehen, daß alle Israeliten in seinem Reiche innerhalb dreier Monate ihre beweglichen Güter verkaufen und das Land räumen sollten, falls sie nicht zur christl. Kirche überträten. Ihre unbeweglichen Güter wurden sänimtlich eingezogen und alle Schulden an Juden wurden den Christen erlassen, dagegen mußte der fünfte Teil des Betrages an den König abgeliefert werden. (Becker VI, 191). Gleich beim Antritt der Regierung Karls VI. entstanden überall im Reiche Ausstände wegen des großen Druckes, welcher durch die Verschwendung des Hofes erzeugt wurde. Sogar in Paris entstand ein wüthender Aufruhr, (ebeud. VIII, 19). Der König wurde wahnsinnig und unter diesen Umständen setzten die Judenfeinde es durch, daß die Juden ausgewiesen wurden. Auch in Frankreich erfolgt dreimal, 1182, 1306 u. 1394 die Ausweisung aus keinem andern Grunde als durch deren Besitz sich zu bereichern. 1492, 1496 Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal dürfte kaum einzig und allein auf Ferdinands des Katholischen Meinung zurückzuführen sein, daß politische Einheit ohne Glaubensübereinstimmung nie wurzeln könne. War ja die Gütereinziehung derjenigen, welche der Jngnisition anheimfielen, eine bedeutende Einnahme der Krone. Und eine völlige Berandung und Ausplünderung der unglücklichen, ausgewiesenen Inden war es, wenn ihnen mit der Miene der Scheinheiligkeit gestattet wurde, ihre Güter zu verkaufen, sie aber Gold, Silber und Edelsteine nicht niitnehme» durften, sondern im Lande lassen mußten. (Becker IX, 102. Nebst dem religiösen Fanatismus wird auch die Rücksicht auf die reichen Schätze der Juden Spaniens und Portugals zu deren Ausweisung am meisten mitgewirkt haben. 1384, 1389 Ausweisungen, Verfolgungen und Plünderungen in deutschen Städten wie Nördlingen, Weißeufels, Augsburg, in ganz Schwaben und Prag wurden nur zum Zwecke der Gelderpressung von den Juden, aus Geld- und Raubgier in Scene gesetzt. In Augsburg wurden die Juden solange in Kerker gehalten, bis sie 20000 Gulden zahlten. In Weißenfels hielten Rabbiner und Gemeindevorsteher von Mitteldeutschland eine Synode ab, und wiewohl sie mit Geleitsbriefen versehen waren, lauerten deutsche Raubritter bei ihrer Rückkehr ihnen auf, plünderten sie aus, mißhandelten sie, nahmen sie gefangen und ließen sie erst um 5000 Groschen Lösegeld in Freiheit. Für die in Prag 1389 unter nichtigem Vorwände verübten Gräuelthaten hatte Kaiser Wenzel nur das Urteil: Sie haben ihr Schicksal verdient, weil sie sich am Ostersonntage anß er ihren Häusern blicken ließen. In der That aber handelte es sich bei Wenzel um die Hinterlassenschaft der Juden, die er für sich eiuziehen ließ; er machte auch Anstrengungen, die Schuldforderungen der Juden an sich zu bringen. Er gab auch 1390 ein Edict mit den Fürsten und Machthabern Deutschlands, daß sämmtliche Schuldforderungen der Juden an Christen erlöschen, nicht nur die Zinsen sondern auch das Kapital, und daß sämtliche Pfänder ausgeliefert werden sollten. Doch mußten die christlichen Schuldner dem Kaiser 15 auf 100 von den Schuldsummen abtragen. (Grätz VIII, 52—55). Wonatsschau. Man berichtet uns: In Stuttgart hielt jüngst Herr Rabbiner Grün theosophische Vorträge. Angeregt durch die Schrempf'schen religiösen Reden, sah Rabbiner Grün sich veranlaßt, die Zustände im Judentum in Bezug auf das syuagogale und soziale Leben kritisch zu beleuchten. Grün ist nach seiner Mit-

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