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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-09-01 · Heft 9 (1.9.1893) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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Also Rohheit und Habsucht bereiteten den Israeliten das traurige Ende des 12. Jahrhunderts, und es trifft selbst nach unparteiischem, christlichem Zeugnisse die Juden kein Verschulden. Der Vorwurf könnte gegen sie gemacht werden, daß sie nicht an ihre Selbsthilfe dachten und die einzelnen heranrückenden Haufen mit vereinten Kräften totschlugen, wie es die Ungarn und Bulgaren thaten; denn „diese Schlechten," sagt Becker (VI. 288), „die nur aus Raub-und Plünderungssucht an dem Zuge teilnahmen, würden auch im Vaterlande nichts nützliches vollbracht haben; und wer von diesen den Beschwerden oder den Feinden erlag, darf kein großes Bedauern erwecken." Mehr als 12,000, die zwischen Mai und Juni umkamen, wären auch im regelrechten Kampfe mit diesen Horden nicht gefallen, und sie hätten dardurch die Wiederkehr dieser Gräuelthaten in den nächsten Kreuzzügen verhindert, während das Vertrauen, das die Juden stets in die schützende Macht der dazu berufenen Obrigkeiten setzten, zumeist getäuscht wurde, und der Schutz, wenn er auch gewährt wurde, entweder unzureichend sich erwies oder post festum kam, da es sich doch um Juden handelte. Die Moral aus der Geschichte könnten sich die Juden aller Zeiten mit einem Warnungszeichen versehen! 1190 und 1290. Das Ende des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, welches die Leidensgeschichte und das Ende der Juden in England umfaßt, zeigt uns wieder, daß nicht der Glaubenseifer allein es war, welcher die Wuth der Christen gegen die Juden Englands entfesselte, sondern mehr noch der Neid auf deren Wohlstand und vorzüglich die Gier nach fremdem, leicht zu erwerbendem Gute. Richard verordnete so arge Erpressungen, daß darüber in London ein Aufstand ausbrach (Schlosser V 454). Johann ohne Land ließ einem Juden von Bristol, von dem er 10000 Mark Silber verlangte, einen Zahn nach dem andern ausreißen, bis der Unglückliche das Geld herbeischaffte (Grätz VI. 247). Eduard I. endlich brandschatzte die Juden zuerst und jagte sie dann, über 16000 an Zahl aus England, nachdem er sich vorher ihrer Habe bemächtigt hatte. Er gewann dadurch eine viel größere Sumnie baaren Geldes, als durch die zahlreichen Prozesse, die er mit weltlichen und geistlichen Großen begann, um ihnen die königlichen Güter und Rechte zu entziehen, l Schlosser VI. 222). Ueber die Habsucht Johanns schreibt Becker (VI. 201): Niemand dürfte ohne Geschenke dem Trone nahen. Für Freiheit, Gerechtigkeit und alle möglichen und unmöglichen Dinge mußte dem König bezahlt werden. Die Juden ließ er einmal sämmtlich einkerkern und gab ihnen dann für 66000 Mark die Freiheit wieder. Zu einer anderen Zeit erpreßte er von dem Juden Jsak von Jork allein 5100 Mark, eine Summe, für welche man in jener Zeit die Gebiete mächtiger Herren erstehen konnte. Von Eduard I. wird erzählt (ebend. VII 123): Er nahm zur Erpressung seine Zuflucht, legte dann eine höhere Abgabe auf die beiden wichtigsten Handelsartikel, ließ sogar alle Vorräte davon mit Beschlag belegen, und zwang den Kaufleuten den Wert derselben unter dem Namen eines Darlehens ab. Dieses Verfahren gegen die Engländer beweist genügend, daß auch die Ausweisung der Inden nur eine Folge der Habsucht war. Wieder fallen die Inden am Ende des 13. Jahrhunderts in England der Habsucht der Könige zum Opfer. 1182-1394 umfaßt in Frankreich den Zeitraum der Verfolgung und Vertreibung unter Philipp II., August und Karl VI. Um sich in den Stand zu setzen, nachdrücklich gegen Heinrich aufzutreten, ließ Philipp im April 1182 den

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