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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-09-01 · Heft 9 (1.9.1893) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 a Wir haben ein und dasselbe Vaterland und Sittengesetz wie unsere christlichen Mitbürger. (6) , b Unsere religiös-sittlichen Grundsätze sind, gestützt auf die Quellen-Worte : Haben wir nicht Alle Einen Vater, hat uns nicht Ein Gott geschaffen. Die Welt ist auf Liebe gegründet. Auf drei Dingen beruht die Welt: auf Wahrheit, Recht und Frieden. Liebe den Frieden, fördere den Frieden, liebe die Geschöpfe —: Ein Gott, Eine Menschheit, Liebe, Barmherzigkeit, Rechtschaffenheit, Wahrhaftigkeit, Humanität. 6 Geschichte und Leidensgenossenschaft macht uns die Teilnahme und Fürsorge für die altgläubigen Juden zur Ehren- und Gewissenspflicht. (4). Möchte ich es noch erleben, daß eine solche deutsch-jüdische Reformpartei in's Dasein, in Wirksamkeit träte. Les fins des siecles. Die Schwelten der Jahrhunderte. Von Dr. A. Kur re in, Rabbiner in Teplitz. (Fortsetzung.) 1096. Die Kreuzzüge haben sicherlich die Juden nicht herbeigeführt und nicht veranlaßt; sie haben auch den Kreuzfahrern kein Hindernis in den Weg gelegt, und ivenu diese trotzdem ihre Wuth und ihre Rohheit an ihnen erprobten, so muß wohl die Ursache außerhalb der Juden zu suchen sein. Selbst begeisterte Lobredner der Kreuzzüge erklären (Böcker VI. 67): „Wen die Hoffnung des himmlischen Lohnes nicht begeisterte, den bewog das Verlangen, beengenden Verhältnissen jeder Art zu entrinnen und die Aussicht, reiche Beute sammeln zu können." „Die Ritter empfanden, als es wieder Ruhe werden sollte, den Mangel an Beschäftigung und an Gelegenheit zum Rauben" (Schlosser V. 266). Diese Haufen, welche größtenteils aus dem schlechtesten Gesindel bestanden, wurden, durch ihre Ausschweifungen und Frevelthaten zum Spott und Aerger aller Völker, durch deren Länder sie zogen. Am meisten hatten auf ihrem Zuge die Juden zu leiden. Die rohen Haufen fielen schon in den rheinischen Städten in Verbindung mit dem Pöbel über dieses unglückliche Volk her, begiengen die ärgste» Frevel gegen dasselbe und töteten viele Hunderte (wohl Tausende!); einige Bischöfe traten mnthig und wohlgesinnt für sie ein; dagegen wurde der Erzbischof Ruthart von Mainz beschuldigt, den Ueberfall begünstigt oder gar am Raube teilgenommen zu haben (Schlosser V. 271). „Alle diese Kreuzfahrer", rvh und lasterhaft, ausschweifend und zügellos bezeichnet, „fielen teils vom blinden Religionseifer, teils von Habsucht getrieben über die Juden her. ermordeten sie aufs grausamste und plünderten ihre Güter; ein Schicksal, welches besonders die in den rheinischen Städten wohnenden Israeliten traf. In Mainz stieß zu jenen Schaaren noch Graf Emicho von Leiningen mit einem starken Hansen von gleicher Gesinnung, der an den Gräuelthaten gegen die Juden en thätigsten Anteil nahm" (Böcker VI. 70).

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