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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-08-01 · Heft 8 (1.8.1893) · p. Seite 191

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 191 (sequence 23)
Language
German
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- 191 - Vetter Philipp IV. der Schöne, vor 90 Jahren den gleichen Ausweisungsbefehl gegeben hatte. 1301 (15. März) wurde ein verhängnisvolles Datum für die Juden Spaniens, welche bisher unter allen Juden Europa's die beneidenswerteste und glücklichste- Stellung im Staate und in der Gesellschaft wie in keinem andern Lande ein»ahmen. Für die Juden Spaniens war es der Anfang des Endes, das hundert Jahre später sich vollzog. Durch die Predigt eines fanatischen, die Judenbekehrung betreibenden Geistlichen, wurde die Menge zu Angriffen auf die Juden veranlaßt. Die reiche Gemeinde in Sevilla mit beiläufig 30000 Seelen wurde fast ganz vernichtet. Von da ging es nach Cordova, Toledo, Burgos, Valencia und jo fort, daß nahezu 70 Gemeinden von diesen schrecklichen Metzeleien ganz aufgerieben wurden. 1492 (2. August, der 9. Ab) vollendete endlich das traurige hundertjährige Mißgeschick der Juden in Spanien, indem 500000 Juden Spaniens, das Land, welches sie früher als die Christen bewohnten, und dessen Größe und Wohlstand, ebenso wie dessen Cultur sie redlich mitschaffen halfen, und woran sie nicht den kleinsten Anteil hatten, für immer verlassen mußten. 1497 mußten auch die Juden Portugal für immer verlassen. Das Ende des vierzehnten Jahrhunderts warf seine Schatten von Spanien auch nach Deutschland hinüber. 1384 wurde die jüd. Gemeinde in Nördlingen, Männer, Weiber und Kinder gemordet. In ganz Schwaben wurden die Juden in der grausamsten Weise gequält und verfolgt. In Prag wurden 1389 (18. April) viele Tausende getötet. Die Synagoge wurde eingeäschert, die heil. Schriften zerrissen. Selbst der Friedhof wurde nicht verschont, und die Leichname wurden geschändet. 1496 (4. März) vertrieb Kaiser Maximilian die Juden aus Steiermark, Kärnten und Kram. Selbst deren zeitweiligen Aufenthalt oder die Durchreise erschwerte er ungemein. Um diese Zeit wurden auch die Juden von Nürnberg, Ulm, Colmar und Magdeburg ausgewiesen. 1573 wurden die Juden aus Berlin und den Brandenburgischen Ländern vertrieben. 1593 (25. Februar) wurde das VerbannungSdecret Pius V. (26. Februar 1569), wonach alle Juden aus dem Kirchenstaate, etwa 1000 Familien, auswandern sollten, erneuert, nur durften sie in 3 Städten wohnen. Wurde ein Jude in einer anderen päpstlichen Stadt getroffen, so sollte er es durch Verlust seines Vermögens und mit Galeerenstrafe büßen. 1670 (14. Februar) wurden die Juden von Kaiser Leopold I. aus Wien und Niederösterreich ausgewiesen. Das Endendes 18. Jahrhunderts macht eine rühmliche Ausnahme, indem 1791 die französische Nationalversammlung alle Juden Frankreichs, welche den Bürgereid leisteten, für Staatsbürger erklärte, welchem Beispiele 1796 auch die holländische Republik folgte. Ohne Wirkung blieb dies nicht auf Preußen und Oesterreich; denn in Preußen hob Friedrich Wilhelm II. 1790 den Leibzoll auf, erteilte einzelnen Juden das Bürgerrecht und gestattete den Besitz von Grundstücken; doch wurden erst durch das Edict vom 11. März 1812 alle Juden in Preußen zu Staatsbürgern erklärt und ihnen gleiche bürgerliche Rechte und Freiheiten wie den Christen zugestanden. In Oesterreich erließ Kaiser Josef I. 1782 das Toleranzedict, doch erhielten die Juden erst unter Kaiser Franz Josef I. im Jahre 1867 durch die Verfassung vollkommene Gleichberechtigung.

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