Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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192 1892 zeigt hingegen getreu den neunziger Jahren so vieler Jahrhunderte seit dem eilften die alte Giftblüthe des Judenhasses unter dem neuerfundenen Namen „Antisemitismus" in voller Stärke in Deutschland und Oesterreich, im Werden in Frankreich und in der durch die unerträgliche unmenschliche Bedrückung notwendig gewordenen Auswanderung der Juden aus Rußland. Es ist vielleicht ein zusammenstimmendes Spiel des Zufalls, wenn der Verfasser des Werkes Emek ha bacha „Thal des Weinens", welcher die schauerliche Leidensgeschichte Israels schrieb, Josef-ha-Kohen 1496 geboren und 1575 starb. Ueberblicken wir nun diese Jahrhunderte vom 11.—19., so können wir mit einem bloßen Zufall uns nicht begnügen, müssen auch jedes geheimnisvolle Dunkel abweisen, vielmehr in dieser regelmäßigen Wiederkehr derselben traurigen Thatsachen eine Anregung finden, den Ursachen und Veranlassungen nachzuforschen und zu erfahren, ob die Juden diese traurigen Abschlüsse der Jahrhunderte durch ihr Verschulden herbeigeführt haben, oder ob das jeweilige Ende der Jahrhunderte das traurige Geschick der Juden geschaffen hat. Haben die Juden in der That ihre schrecklichen und beklagenswerten Geschicke am Ende der Jahrhunderte verdient? Lassen wir darauf am besten und unbefangensten die Geschichte selbst antworten. Das Ende des 6. und 7. Jahrhunderts, das den Juden im westgothischen Spanien ein trauriges Geschick bereitete, haben die Juden ebensowenig wie den Uebertritt Reccares vom Arianismus zum Katholicismus verschuldet. Große Unzufriedenheit, Verschwörungen und Unruhen waren die Folgen und bereiteten die Auflösung des Reiches rasch vor. „Die ungerechten und harten Verfolgungen, denen die Juden häufig preisgegeben waren, paßten ganz zu der Art von Religion, welche unter diesen Umständen in Spanien herrschend wurde und bis auf unsere Tage geblieben ist. Diese Umwandlung des Christentums in Fanatismus, Aberglauben und bloßen Formendienst mußte später dem Muhammedanismus leicht Eingang verschaffen", (Schlosser IV 95). So lange es auf der Halbinsel Spanien nur arianische Christen gab, standen die Juden bei Christen und Heiden in vollster Achtung und hatten sich keiner Zurücksetzung zu beklagen. Aber von dem Augenblicke an, als die katholische Kirche herrschend geworden war und der Arianismus verfolgt wurde, trat für die Juden ein ungünstiger Wendepunkt ein (Grätz V 58—61). Haben die Juden oder die katholischen westgothischen Herrscher das Ende des Jahrhundert und damit den Untergang der westgothischen Herrschaft verschuldet? <For,setz,»,g folgt.) Inhalt: Professor H. Steinthal. Von Dr. D- Selver (Darmstadt). — Mirabeau und seine Stellung zum Judentum. Bon Dr. S. R. Landau (Wien). — Ananda, der Schüler Buddhas. Von Alfred Friedmann. — Jüdischer Antisemitismus. Eine Studie von Dr. L. W., Frankfurt a. M. — „Splitter." Bon Julius I. Strauß. — Les lins des siecles. Die Schwellen der Jahrhunderte. Bon Dr. A. Kurrein, Rabbiner in Teplitz. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. Adolf Brüll; in Komission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.