Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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190 immer aufhoben, so begegnen wir zunächst in der Geschichte: der Jahreszahl 69 4, das Ende des siebenten Jahrhundertes und das damit rasch dem Ende entgegeneilende westgothische Reich. Schon das Ende des sechsten Jahrhunderts 589, als König Reccared vom Arianismus zum Katholicismus überging, brachte den bisher in voller Gleichberechtigung mit den arianischen Christen lebenden Juden Spaniens Beschränkungen und eine drückende Ausnahmsstellung. Die judenfeindlichen Gesetze wurden unter den folgenden Königen immer mehr verschärft bis Sisebut den Befehl erteilte, daß sämmtliche Juden entweder das Land verlassen oder die Taufe nehmen sollten. Endlich im November 694 wurden sämmtliche Juden Spaniens und der gallischen Provinz als Sclaven erklärt, an Herren verschenkt und durch das Land verteilt, ohne daß es ihren Herren freistand, sie freizulassen. Die Kinder von sieben Jahren an wurden ihren jüdischen Eltern entrissen und Christen zur Erziehung gegeben- Die Zahl 1096 ist mit jüdischem Märtyrerblut in der Geschichte der Juden Deutschlands rot und unvergeßlich geschrieben. Sie bedeutet den Anfang einer endlosen Kette von Verfolgungen der Juden in Deutschland und wird genügend gekennzeichnet, wenn angegeben ist. daß die frommen Kreuzfahrer längs des Rheins und der Donau von Trier bis Regensburg in zwei Monaten, Mai und Juni 12000 Opfer des Todes aus der Mitte der Gemeindeil Trier, Speier, Worms, Mainz, Köln und Regensburg teils selbst brachten teils veranlaßten. Und das war nur das Erstlingsopfer der frommen Kreuzfahrer; jede weitere Fahrt brachte neue Opfer. Das Ende des zwölften Jahrhunderts, 26. Mai 1171, bedeutet die Geburt des Blutmärchens von der Ermordung der Christenkinder und von der Verwendung von Christenblut für Ostern. In Blois mußten infolge dieser Lüge 34 Männer und 17 Frauen den Scheiterhaufen besteigen. Zwanzig Jahre später 1191 erlitten in der Gemeinde Bray an 100 Erwachsene den Feuertod. Dem Ende des 19. Jahrhunderts, sieben Jahrhunderte später, war die Wiedererweckung dieses Märchens, das wohl noch nicht ganz zu den Toten gehörte, Vorbehalten- 1190 war ein unglückliches Jahr für die Juden Englands. Am Krönungstage Richard Löwenherz' (3. Sept. 1189) brach der Sturni des durch Thomas von Becket angefachten Fanatismus los, und so sehr Richard bemüht war, sie zu schützen, konnte seine Abwesenheit von England die Verfolgung nicht hindern. Am 6. Februar 1190 wurden die Juden von Norwich, am 7. März die von Stanford, dann die von Aork mißhandelt und ermordet, von letzterer Gemeinde blieb nicht ein einziger Jude übrig. Seitdem wurden die gehässigsten canonischen Bestimmungen gegen die Juden erlassen. 1290 erließ Edward aus seiner Machtvollkommenheit ohne Zustimmung'sdes Parlaments ein Edict, daß sämmtiche Juden aus England verbannt werden sollen. Bis zum 1. November dürften sie ihre Habe zu Gelbe machen; wer aber später noch auf englischem Boden betroffen würde, sollte gehängt werden. Doch vorher mußten sie alle Pfänder von christlichen Schuldnern ihren Eigentümern zurückerstatten. Das Ende des zwölften Jahrhunderts, 1298, wurde auch noch in anderer Weise verhängnisvoll für die Juden, denn es ist der Regierungsantritt Papst Jnnocenz III., mit dessen Namen die tiefste Erniedrigung der Juden verbunden ist, denn ihm verdanken sie die besondere Judentracht und die gelben Flecken am Oberkleide, welche sie der Verspottung und Verhöhnung fast 6 Jahrhunderte Preisgaben. 1394 gab Karl VI. in Frankreich den Befehl, daß alle Juden Frankreich verlassen, nachdem schon vor ungefähr 200 Jahren Philipp II., August und dessen Namens-