Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Wir müssen in den gebildeten Juden das Gefühl für die hohe Verantwortlichkeit wecken, die sie der niederstehenden Menge gegenüber haben, sie müssen aufgerüttelt werden aus ihrer trägen Gleichgültigkeit mit der sie den, leider ja nur vereinzelt sich geltend machenden Bestrebungen zur geistigen und sittlichen Weiterbildung der Juden gegenüberstehen. Denn nur diese vermag dem Antisemitismus im allgemeinen und so auch dem geschilderten seine Grundlage zu entziehen. Die Erkenntnis muß verbreitet werden, daß nicht von der Seite irgend welches Heil zu erwarten ist, die bildungs- und fortschrittsfeindlich, unbeugsam an einem längst veralteten Formenkultus fest hält, der den tief sittlichen Gehalt der jüdischen Religion so überwuchert hat, daß unsere Jugend faßt nie dazu gelangt, in vollen Zügen aus diesem erquickenden Born zu trinken. Einen den Zeitverhältnissen entsprechenden Religionsunterricht müssen wir vor allem, gleich unseren christlichen Mitbürgern, allenthalben einführen, besonders aber auf dem Lande, wo gerade diese Verhältnisse so entsetzlich im Argen liegen, daß eine sittliche Einwirkung auf die Jugend — doch der Hauptzweck des Religionsunterrichtes und wodurch fast allein eine Besserung der Lage erzielt werden kann, — unmöglich ist. In immer weiteren Kreisen müssen wir der Anschauung den Weg zu bahnen versuchen, zu der sich, trotz Nietsche, die Besten unserer Zeitgenossen wieder durchgerungen: „daß die Erlösung aus dem Kerker des individuellen Seins die vornehmste Aufgabe jedes Menschen sein müsse"; wir müssen die Ueberzeugung wachrufen, daß es etwas Edleres, Höheres gibt, als für sich und die Seinen ein sturmgeschütztes Plätzchen zu erlangen, wo man sich geborgen und zufrieden fühlt und mit stolzer Verachtung und Haß erfüllt auf die armen Wanderer herabschaut, die den Weg zu der Höhe der geistigen und sittlichen Bildung, auf der wir stehen, noch nicht finden konnten. Nein! liebreich dem irrenden Bruder die Hand zur Hülfe reichen, und geduldig versuchen ihm die rechte Straße zu weisen. Das ist es, was uns zukommt! Von „Splitter". Julius I. Strauß. I. Die neuen Apostel barb-arischer Rasse Die ziehen jetzt von Haus zu Haus, Verkünden die irdische Lehre vom Hasse Den Unzufried'nen: Die Juden hinaus! II. Die Menschen die von Semiten geboren Die sind wohl Menschen „zweiter Güte" Und des Schöpfers kostbare Zeit ward verloren Mit einer welken Schöpfungsblüthe?