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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-08-01 · Heft 8 (1.8.1893) · p. Seite 179

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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179 Die Lage der Juden in Frankreich und Elsaß-Lothringen, deren Zahl sich auf ca 20.000 bezifferte,18) war zu der Zeit eine sehr triste. Recht- und schutzlos waren sie der Willkür des Pöbels und der verhetzenden Geistlichkeit ganz preisgegeben. Nur wenige wie Calmer, Jakob Rodrigues - Pereira, V alabreque in Paris, der Wolthäter seines Volkes Herz Medelsheim oder CerfBerrin Straßburg David Gradis in Bordeaux erhielten Naturalisations-Briefe (Lettres patentes), die ihnen alle Rechte und Freiheiten königlicher Unterthanen gewährten, sei es in Folge ihrer besonderen Verdienste, sei es, daß sie sich dieselben für Geld gekauft. Die große Masse hatte gar keine Rechte, sie ivurden als Fremde betrachtet, denen man nur Pässe für eine bestimmte Zeit gewährte, nnd diese fortwährend verlängerte sobald die betreffenden Personen, die derselben Behörde unterstanden, wie die Diebe und Landstreicher, gar keinen Anlaß zur Klage boten.19) Es war ihnen aber auch nicht gestattet sich überall anfzuhalten, und so finden wir sie vereinzelt in Rouen, Dippe und einigen andren nordischen Städten, die meisten hingegen wohnte» in Bordeaux, Bayonne, Avignon, Carpentras, wo ihnen schon mehr Freiheiten zu Teil wurde», und sie sogar liegendes Gut besitzen durften. Galten sie ja doch als eine besondere Seele, s. g. Portugiesen, im Gegensätze zu den in Elsaß und Lothringen wohnenden „deutschen" Juden. — Isaak Beer aus Nancy, der unermüdliche Anwalt seiner Stammesgenossen, nnternahm es als Vertreter der Lothring'schen Juden der National-Versammlung in der Sitzung vom 14. October 1749 die triste Lage seines Volkes darzustellen, und um gründliche Reform zu bitten. Er sagte: „Ueberall verfolgt nnd erniedrigt, stets gehorsam, nie sich auflehnend, Gegenstand des Hasses und der Verachtung, statt des Mitleids und der Toleranz, wagen die durch mich repräsentirten Juden zu hoffen, daß Ihr inmitten der so wichtigen Arbeiten, auch nicht ihre Bitten zurückweisen, ihre Klagen nicht verachten, und ihren ängstlichen Beschwerden Beachtung schenken werdet." Er beschwor die Versammlung im Namen Gottes, der Gerechtigkeit und beleidigten Menschheit, sie möge das thränenreiche Geschick der unglücklichen Nachkommen des ältesten Volkes fast ans der ganzen Erde in Betracht ziehen und die so lange und vergeblich erhoffte Besserung endlich vollziehen. -°) Es dauerte aber noch lange bis sich die National-Versammlung zu einem Schritte vorwärts entschloß. Schon in der Sitzung vom 23. August 1789 kamen die Gegensätze in ihrem Schoße zum offenen Ausdruck. Es handelte sich darum, unter die angeborenen, unverletzbaren Menschenrechte auch die religiöse Gewissen- »nd Cultus-Freiheit aufzunehmen. Der Deputirte de Castellane stellte den Antrag: „Kein Mensch soll wegen seiner religiösen Meinungen beunruhigt, noch in der Ausübung seines Cultus gestört werden." Der Erste, der dafür eintrat war Mirabeau. Der „verführerische" Redner hatte hier Gelegenheit den großen Idealen, für die er schriftstellerisch, durch die Macht des geschriebenen Wortes, gekämpft, auch durch seine Beredsamkeit zum Siege zu verhelfen. Der Zauber seiner Rede, Selbstbeherrschung, Kaltblütigkeit, ruhiges Urteil, die begeisternde, hinreißende Sprache, alle diese Eigenschaften, die ihn zum geistigen Beherrscher des Volkes machten, ivurden anch hier aufgeboten, 18) Mirabeau, Sur Mendelssohn S. 128. . 19) Vgl. Les Juifs a Paris a la tin de l’aneien rogime par M. Monin in der Revue des Etudes Juives 1891 No. 45. 20) Moniteur universel ou gazette nationale 1789 B. 1 pag 303,

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