Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-08-01 · Heft 8 (1.8.1893) · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969804--3921-2973480
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

175 arbeitsam etc. . ." Auch in seinem späteren Werke über Mendelssohn hat Mirabeau die freche Aufforderung Lavaters, Mendelssohn möge das Buch Bonnets widerlegen oder selbst zuni Christentum übertreten, gebührend zurückgewiesen. Den Tod Friedrich II. und die Thronbesteigung durch Friedrich Wilhelm II. benutzte Mirabeau, um mit seinem unglaublichen Freimut, unberufener Weise in einer Denkschrift dem neuen König die großen Aufgaben, die seiner harren, vorzuführen, und ihm Reformen anzuraten, durch welche die Grundsätze der Freiheit und Gleichheit realisirt werden sollten. Er verlangt in seiner „Lettre remise ä Frederic Guillaume Roi regnant de Prusse, le jour de son avenement au trdne’’ (Brief an des jetzt regierenden Königs von Preußen Majestät am Tage nach seiner Thronbesteigung) unter Andrem „allgemeine Bauernbefreiung, Aufhebung der Censur, rc.", für die Juden „volle bürgerliche Freiheit." Der freimütige, moderne Marquis Posa erwartet auch „daß ihm der König ob dieser Aufdringlichkeit nicht gram sein werde, denn er habe ja als Mensch zum Menschen gesprochen." III. Nachdem nun Mirabeau in die Berliner Berhältnisse und Anschauungen, in das Berliner Geistesleben cingeweiht wurde, schritt er an die Verfassung einer Schrift, die den Manen Mendelssohn's und den Juden gewidmet, die berechtigten Ansprüche derselben auf volle Gleichberechtigung fördern sollte. Unterstützt von Mauvillon, der ihm viele Mendelssohn'sche Manuscripte verschaffte, mit Benützung von kleineren Aufsätzen Nicolais und Engels/) und hauptsächlichster Rücksichtnahme auf das Werk Dohms, das zur selben Zeit nur teilweise ins Französische übersetzt war, schrieb Mirabeau im Jahre 1787 das Werk „8ur Moses Mendelssohn et sur la reforme politique de Juifs”. (lieber Moses Mendelssohn und die politische Reform der Juden). Das Buch zerfällt in vier Teile. Dev 1. Teil behandelt „Moses Mendelssohn und seine Werke," der 2. „die politische Reform der Juden," der 3. „die Naturalisation der Juden in Groß-Britannien im Jahr 1723," worüber ihm einige englische Freunde nähere Nachrichten zukommen ließen und der I. „Polemik mit Michaelis und anderen Gegnern der Juden". Im Vorworte benützt Mirabeau iviederum die Gelegenheit um die einstweilen zu Gunsten Lavaters erschienenen Verteidigungsschriften zu widerlegen, und dem Mystiker, für den Gott „erkennbar, spürbar und genießbar" sein muß, rücksichtslos zuzusetzen. Hierauf schildert er uns den großen Philosophen, den „deutschen Socrates" selbst. Mit herrlichen Worten zeigt er hin auf die Tiefe seiner Gedanken, die Erhabenheit seiner Gesinnung, und den mächtigen ethischen Zug, der die ganze Wirksamkeit Mendelssohns durchdringt. Dieser Teil des Buches ist vornehmlich für Franzosen geschrieben. Sie sollten nicht nur einen großen Philosophen, einen mächtigen Geistes-Heros, sondern auch einen großen Juden kennen lernen. Mendelssohns Lebenslauf, seine Wirksamkeit auf wissenschaftlichem Gebiete, seine Bestrebungen um die Cultur und Erleuchtung des eigenen Volkes, dies Alles benützt als Einleitung zu einem Werke über das Recht der Juden aus volle Gleichberechtigung, und als Waffe gegen die stets wiederholten Beschuldigungen über den Materialismus, Separatismus und verdrehte ethische Begriffe der Juden, macht dem schrifstellerischen Talente Mirabeaus die höchste Ehre. h Alfred Stern a. a. O. S. 209.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.