Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Zetemata Bei den Griechen ernsthafte Spiele und spielerischer Ern st sind, der Mid rasch an die dargebotene Form das tiefste religiöse Gefühl legte." (Schluß folgt.) Wirabeau und seine Stellung zum Judentum. Von Dr. S. R. Landau (Wien). 1! pas d’esprit eleve, qui ne doive eprouver une liaute Sympathie pour une race, dont le röle en ce monde a etc si extraordinaire, qu’on ne peut en aucune fa§on eoncevoir ee qu’eüt et6 l’histoire de l’espece humaine si un hasard eüt airete les destinees de cette petite tribu. E. Renan: L'cglise chretienne. I. Zu den rühmlichsten Vorkämpfern der Gleichstellung und vollen politischen Gleichberechtigung der Juden am Ende des vorigen Jahrhunderts gehörte neben Chr. Wilh. von D o h m der Marquis Gabriel Honorä Riqueti-Mirabeau. Entstammend einer vornehmen und dem höchsten Adel angehörenden Familie, der Sohn eines rühmlichst bekannten Schriftstellers, der von seinem den Grundsätzen der physiocratischen Schule huldigenden Werke „der Menschenfreund oder Abhandlung von der Bevölkerung" selbst den Namen L. D. H. (L’ami des hommes) führte, wurde der junge Mirabeau in den humansten Grundsätzen erzogen, sein junger Geist, gemäß jenen Familien-Traditionen herangebildet, nach welcher — wie sich der alte Mirabeau in seinem hinterlassenen „politischen" Testamente ausdrückt — die Mirabeaus bestimmt seien, sich durch Besitz und Einfluß zur ersten Stelle unter dem hohen Adel des Landes zu erheben/) und ihm vor Allem der Enthusiasmus für die Brüderlichkeit von Hoch und Nieder, Liebe für seine Gutsbewohner, eingeimpft. — Das geistige Erbe der Familie, ein Gemisch von unverwüstlicher Kraft, trotzigem Selbstgefühl, tollkühner Tapferkeit und schlagfertiger Beredsamkeit war auch auf den jungen Mirabeau übergegangen. Schon in der Jugend rühmte man seinen Witz, sein Gedächtnis, sein Selbstgefühl und seine Gutmütigkeit. Sein Onkel selbst, ein Maltheser-Ritter in der Provence, schildert ihn in einem Briefe vom Jahre 1769, als also Mirabeau erst kaum 29 Jahre zählte, folgendermaßen: „Er hat, wie mich dünkt, ein empfindsames Herz und Geist hat er mehr als der Teufel. Entweder ist er der geschickteste und geriebenste Possenreißer von der Welt, oder er wird als General, Minister, Kanzler, Papst, wie immer er will, der größte Mann in Europa werden". Wenn auch äußerlich von häßlicher Erscheinung, mit einem verdrehten Fuße, unmäßig großem Kopfe, blatternarbigem Gesichte, war doch sein Ganzes nicht abstoßend. Der tiefe Ernst seiner Gesichtszüge, die dunklen, glänzenden Augen, die Glut seiner hinreißenden Beredsamkeit ließen bald die äußere Hülle entfallen, und man sah nur die große Gestalt des aristocratischen Volksmannes, der, seine Standesrechte verleugnend, nicht nur für den tiers etat, sondern für alle Bedrückten den Kampf gegen die Tyrannei und den morschen Feudalismus aufnahm. ') Alfred Stern: Das Leben Mirabeau's B. I. S. 21. ») Das. S. 70.