Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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172 es mir nicht gelingen, und es hat sicher g r o ß e S ch w i e r i g k e i t e n." Steinthals „Charakteristiken" die in someisterhafter Weise leisten, wonach Humboldt lange gesucht, sind auch für unsere Ethnologen ein Lehrbuch nicht sowohl der Sprachen als der Sprache geworden, wie dies das Beispiel Oscar Peschels zeigt, der, wie er selbst angiebt, den die Sprache behandelnden Abschnitt seiner Völkerkunde „diesem nicht hoch genug zu schätzenden Buche Steinthals entlehnt hat" („Völkerkunde", 2. Ausl. S. 119). Der Sprachschilderung, aber zugleich der speciellen Sprachkunde auf einem schwer zugänglichem Gebiete widmete Steinthal auch einige Jahre später ein bedeutendes Werk „Die Mande- Negersprachen" (Berlin 1867). Zu den Aufgaben eines Bahnbrechers gehört auch das Wegräumen der Hindernisse, der Klötze und Steine, die auf dem Wege liegen und dem Wanderer hemmend entgegenstarren. Diese Arbeit ist auch Steinthal nicht erspart geblieben. Er unterzog sich derselben in einem berühmt gewordenen Werke: „Grammatik, Logik und Psychologie, ihre Prinzipien und ihr Verhältnis zueinander" (Berlin 1855). Dieses Buch, obwohl bereits in den sechziger Jahren vergriffen, wurde nicht wieder aufgelegt. Die Kritik, die Steinthal hier besonders den seiner Zeit herrschenden Ideen K. F Beckers von der Sprache als einem Organismus widmete, „hat gewirkt, was sie wirken konnte." Die positiven, fundirenden Bestandteile desselben aber hat Steinthal in seinen „Abriß der Sprachwissenschaft" Bd. I (1. Aufl. 1871; 2. Ausl. 1882) ausgenommen. Die so seltene Verbindung von tiefeindringendem philosophischen Forscher- Geiste mit der umfassendsten Gelehrsamkeit auf dem weiten Felde der Sprachkunde und klassischen Philologie, die für Steinthals wissenschaftliche Arbeiten so charakteristisch ist, hat auch ihre Beurkundung gefunden in der bereits erwähnten „Geschichte der Sprachwissenschaft bei Griechen und Römern mit besonderer Rücksicht auf die Logik". Dieses neuerdings in 2. Auflage erschienene Werk kann in manchem Betracht als das zweite Hauptwerk Seinthals angesehen werden und ist sicherlich eine der glänzendsten Leistungen seiner Art. Das hervorragende, nicht nur fachwissenschaftliche Interesse, das der Gegenstand dieses Geschichtswerkes hat, ist in der Bedeutung der Sprache für das Geistesleben gegeben, noch mehr aber in der Bedeutung der Griechen und Römer für unsere Cultur. Für die gesch. Leser dieser Blätter aber möchten wir schon bei dieser Gelegenheit bemerken, daß Steinthal in seinen fachwissenschaftlichen Werken nicht selten — und es geschieht dies nicht immer zum Vergnügen antisemitisch angehauchter Gelehrter — auch auf Erscheinungen im Geistesleben der Juden interessante Streiflichter fallen läßt. So enthält auch dieses Werk nicht nur sehr feinsinnige und geistvolle Bemerkungen über die Bedeutung des Wortes in der Bibel (Bd. I S. 11—17), sondern auch am Schluß eine äußerst lehrreiche Parallelisirung des Midrasch mit den Zetemata der gelehrten Griechen. „Nämlich, sagt Steinthal (Bd. II S. 366 Anm.), die Denkform des Midrasch ist teils ganz die jener Zetemata, teils die der Stoiker, welche Homer symbolisch erklärten und etymologisch theologisirten. Eine Apologie derselben ist heute nicht mehr nötig; es steht fest, daß das historische Begreifen einer Erscheinung die beste und wesentlich einzige Apologie derselben ist. Ich bemerke hier nur, daß M i d r a s ch die wörtliche Uebersetzung von Zetemata ist. Der wesentliche Unterschied ist aber der, daß während die