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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-08-01 · Heft 8 (1.8.1893) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (1.8.1893)
Date
1893-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 und zu diesem gehören ja sicherlich auch die Leser dieser gesch. Blätter, ist Steinthal besonders wegen seiner geistvollen Behandlung biblischer Stoffe und religionsphilosophischer Fragen,2) sowie als Verfasser einer idealen Ethik wert und teuer geworden. In der That vereinigt Steinthal in seinen wissenschaftlichen Schöpfungen wie in seiner Persönlichkeit Richtungen und Geisteszüge, die in unserer Zeit, weil nur selten angestrebt, selten vereint anzutreffen sind, die eigentlich zwei Epochen in der Wissenschaft und im Geistesleben unseres Jahrhunderts repräsentieren: de» Idealismus und Humanismus der dreißiger Jahre und den wissenschaftlichen Realismus der letzten Generation. Ein weiteres ideales Moment im Leben und Wesen Steinthals, auf welches besonders in diesen Blättern hinznweisen am Platze ist, ist seine Zugehörigkeit zum Judentum, die er stets in Wort und Schrift pietätsvoll und mannhaft bekundet hat. Wir nennen diese Zugehörigkeit Steinthals zum Judentum ein besonders ideales Moment in seinem Leben. Denn das Judentum, in dessen reliöses Schrifttum er sich immer wieder von Neuem vertiefte, die jüdisch-fromme Erziehung, die er genoß, waren für ihn eine Schule des Idealismus und wissenschaftlichen Wahrheits-Enthusiasmus, von denen sein Leben wie seine Schriften ein so erhebendes Zeugnis ablegen. Und wenn die deutschen Juden auf die aus ihrer Mitte hervorgegangenen Männer Hinweisen solle», welche an dem Ruhme und der Ehre der deutschen Wissenschaft einen besonders hervorragenden Anteil haben, so dürfen sie den Namen H a j i m S t e i n t h a l vor allen Anderen mit gerechtem Stolze nennen. Steinthal feierte am 16. Mai d. I. seinen 70. Geburtstag. Nachstehende Schilderung seiner ruhmvollen wissenschaftlichen Leistungen war für diesen Tag als ein geringer Zoll des Dankes geplant. Aeußere Umstünde haben ihr rechtzeitiges Erscheinen verhindert. So möge sie ixist festum als Beitrag zu dem Capitel vom Anteil der deutschen Juden am Ruhme deutscher Wissenschaft und Philosophie hier folgen. Fangen wir mit der eigentlichen Fachwissenschaft Steinthals an, so haben wir an die epochemachenden Ideen eines der tiefsten und edelsten Geister Deutschlands anzuknüpfen — Wilhelm von Humboldts. Der hochsinnige Staatsmann ist auch der Urheber und Begründer der Sprachphilosophie. Die Anfänge der Sprachwissenschaft reichen freilich weiter zurück. Die ersten Keime zu einer solchen so wie die bezüglichen Leistungen der Griechen und Römer hat Steinthal in einem nicht nur von Linguisten, sondern auch von klassischen Fachphilologen, wie August Boeckh, hochgeschätzten Werke dargestellt, das neuerdings in 2. Auflage erschienen ist: „Geschichte der Sprachwissenschaft bei Griechen und Römern, mit besonderer Rücksicht auf die Logik." 2 Bände, Berlin 1890/91. Auch hat es in den späteren Epochen nicht an Versuchen einer sogenannten philosophischen Grammatik gefehlt. Im vorigen Jahrhundert beschäftigen sich in Deutschland Herder und Hamann, „Der Magus im Norden", sehr eingehend mit der Frage nach dem Ursprung der Sprache. Ebenso ist die vergleichende Methode des Sprachstudiums bereits im vorigen Jahrhundert in hervorragender Weise vertreten. Allein erst Wilhelm von Humboldt gab der Sprachwissenschaft jene ideelle und reale Grundlage, welche sie zur fruchtbarsten und eingreifendsten Disciplin sowohl der Anthropologie als der Ethnologie erhob. Mit erstaunlichem 2) Vgl. „Zu Bibel und Religionsphilosophie", Bortrüge und Abhandlungen von H. Steinthal; Berlin, Georg Reimer, 1691.

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