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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 166

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
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166 bettiie waren Russen. Eine Russin rettete mir das Leben und ihr verdanke ich meinen Namen. Ließen es mich diese lieben Menschen etwa fühlen, daß ich Jude bin? Niemals! Wir waren Alle von einem Gedanken beseelt und hatten das gleiche Ziel: das Vaterland zu lieben und in ihm die Gefühle für Edles und Großes wachzuhalten. 25 Jahre sind seit jener Zeit verstrichen, und heute, welcher Umschwung, welche Enttäuschung: Statt der Einigkeit — Die Zwietracht; statt des Friedens — der Krieg; statt der Nächstenliebe — der blinde und verblödete Menschenhaß. Wer schildert meinen Seelenzustand, in welchem ich die letzten Jahre arbeiten mußte?! Während ich in meinem Pariser Atelier die Gestalten unserer Helden „Ermak" und „Nestor" modellirte, mußten meine Glaubensgenossen in Rußland endlose Verfolgungen erdulden; meine armen Brüder fanden nirgends ein Wort des Mitleids, dagegen umsomehr Hohn und Grausamkeit. Vergebens wendete ich mich an einflußreiche Freunde mit der Bitte, die Sache der Verfolgten in die Hand zu nehmen, ihre Stimmen für die Opfer zu erheben. Niemand antwortete mir. Nichtsdestoweniger war und ist mein Glaube an das russische Volk stärker als mein Schmerz und ich verzweifle nicht an den guten und von Gerechtigkeit erfüllten Gefühlen des russischen Volkes. Denn ich bin fest überzeugt, daß die Ursache dieser schmerzlichen und grausamen Ereignisse nicht im Herzen des russischen Volkes ihren Sitz hat, sondern von jenen Elementen ausgeht, die einem von außen kommenden Einfluß willfährig Dienste leisten." — In Ukw Uork besteht ein „Roumania Opera House", in welchem Stücke in jüdisch-deutscher Sprache zur Aufführung gelangen. Jüngst gelaugte daselbst die Oper „Sulamita", componiert von Herrn Goldfaden zur Aufführung. Die bekannte Sängerin Goldstein gab die Sulamita und Herr Schöngold den Absalon. Den Text verfaßte Herr Lateiner. Der Theaterzettel der dort ausgegeben wird, ist mit hebräischen Anzeigen gefüllt. Der Dramaturg dieses Theaters ist Herr Prof. Horowitz-Halevi Er hat die Oper „König Salomo" das Drama „Jehuda und Israel" und das Volksstück „die Verschwörung von Tißa-Eßlar" componiert. Die beliebtesten Darsteller an diesem Theater sind die Herrn Sigmund Feinmann, Israel Weinblatt, Fräulein Ernestine Finkelstern, Pauline Edelstein und Frau Feuerstein. Ein zweites Theater ist das „Oriental Theatre” in welchem abwechselnd Dramen und Opern gegeben werden. Der Dramaturg ist Herr Iosrf Lateiner. Es wurden in demselben jüngst aufgeführt „Esther und Haman" „der Rechtsspruch König Salomos" „das Kind von Israel" „der Mündel von Sir Moses Montefiore" und „Joseph und seine Brüder". — In der Sitzung der „Academie des Inscriptions et Beiles Lettres“ vom 28. April hat Herr Clermont Hanneau, ein Mitglied der Akademie, interessante Mitteilungen über hebräische Inschriften gemacht, die er an einer Moschee in Gaza entdeckt hat. Auf einer antiken Säule im Innern der Moschee fand er ein Basrelief, welches die siebenarmige Sabbathlampe darstellt; unter demselben ist eine griechische und hebräische Inschrift, die eine Widmung an Ananias, Sohn res Jakob, enthält. Der Name Jakob ist mit Weglassung des „b" geschrieben, was nach Meinung des Herrn Clermout-Hanneau eine Abbreviation ist, die zu einer gewissen Epoche gebräuchlich war, und aus der vielleicht die Bildung der Namen „Jago", „Jacques", als Ableitungen von Jakob enstanden sind. Herr Clermout-Hanneau nimmt an, daß diese schöne Säule im corinthischen Style einer alten Synagoge angehört hat, die entweder in Gaza selbst gestanden, oder wahrscheinlicher in Alexandrien oder Cäsaräa, von wo sie zu Wasser nach Gaza gebracht wurde.

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