Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Theater, Musik und bildende Kunst. Der Opernsänger Herr S;engery, ein Sohn des Herrn Oberkantors Singer in Wien wurde nach erfolgreichem Probesingen von Herrn Hofrat Pollini auf drei Jahre mit steigender Gage für die Hamburger Oper engagiert. — In Derlin starb am 1. Mai Herr Abram Isfakoivitsch Sack, einer der hervorragendsten Persönlichkeiten der Petersburger Finanzwelt, seit 1870 General-Direktor der Diskonto-Bank. Er nahni sich der verfolgten Glaubensbrüder stets mit Liebe und Wärme an. Er hat in seiner Jugend eine ausschließlich talmudische Bildung erhalten. Sein Wohnhaus in St. Petersburg auf der Segeiwskaia, einem der fashionabelsten Teile Petersburgs, gleicht einem Museuni mit großen seltenen Kunstschätzen, seine Gemäldesammlung ist eine der reichhaltigsten Privatgalerieen der Hauptstadt. Durch das Hinscheiden Sacks geht auch ein interessanter „Salon" Petersburgs ein, der die vornehmsten Geister der politischen, Finanz- und Künstlerwelt an bestimmten Tagen der Wintersaison zu vereinen pflegte. An diesen festgesetzten „Musikabenden" oder „Routs” fand sich die heterogenste, auserlesenste Gesellschaft des Inn- und Auslandes zusammen: der deutsche, französische englische Botschafter, Herbert Bismarck, Jgnatieff, Bleichröder, Baron Günzburg, Rubinstein, Sofie Meuter, Alice Barbi, Grünfeld und auch viele andere Künstler und Finanzmänner. Musiker, wie Rubinstein, Dawidow, Auer, verkehrten als Freunde des Hauses und nicht selten spielte Sofie Menter einen Walzer zum Tanz auf. Biel klassische Musik, besonders Quartette wurden an diesen Donnerstag - Abenden zu Gehör gebracht. — In der Kunstakademie in St. Petersburg ist der Schüler Jakob Kasenbeugen mit einer silbernen Medaille dekorirt worden. Auch auf der Universität in Kasan sind zwei silberne Medaillen den jüdischen Studenten Gran und Damsci zugefallen. — Von Federiro Eonsolo ist unter dem Titel: Libro dei Canti d’Israele. Antichi Canti Liturgici de Rito degli Ebrei Spagnoli, raccolti e notati dei Eederieo Consolo (Firenze Bratti e. Co.) ein Werk erschienen, welches für die Geschichte des Synagogengesanges von großer Bedeutung ist. Von dem Ritus der sephardischen Gemeinde in Livorno ausgehend, umfaßt es den ganzen Ritus der Sephardirn. Die Königin von Italien interessirte sich sehr für die Herausgabe dieses Werkes und ließ sich einzelne Stücke aus demselben vortragen. — Vor dem brutalen russischen Antisemitismus finden auch Künstler ersten Ranges keine Gnade, wenn der Zufall sie als Jude zur Welt kommen ließ. Das niußte auch der berühmte Bildhauer Antokolski, der größte jetzt lebende Meister der russischen Bildhauerkunst erfahren. Antokolski, der von jüdischen Eltern stamnit, wurde von der antisemitischen Presse in Rußland, besonders von der „Nowoje Wremja", seit jeher in unwürdiger Weise als Künstler herabgesetzt und verleumdet. Das verleidete ihm den Aufenthalt in Rußland und er verließ, obwohl ihn, der Zar selbst seines Wohlwollens versicherte, Petersburg, um sein Atelier iu Paris aufzuschlagen. Auch dorthin folgte ihm der Haß der russischen Antisemiten, die nicht müde wurden, ihn, der seine Kunst ausschließlich der Verherrlichung russischer Helden widmete, und seine künstlerische Bedeutung in den Koth zu zerren. Antokolski richtete nun ein Schreiben an die Petersburger „Nowosti", in welchem er zunächst den kunstfreundlichen russischen Publikum für die ihm bewiesenen Sympathieen dankt und dann schmerzerfüllt nach der Ursache fragt, die ihm den Haß gewisser Hetzer brachte. „Die erste Person", schreibt Antokolski, „die mir bei meinen Anfängen die Hand reichte, war ein Russe. Meine Mitschüler und Freunde auf der Aka»