Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969795-2969803--3909-2973467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 Reiche zu öffnen, die ihnen jetzt wieder verschlossen wurden. — Der „RegierungSbote" schreibt in Betreff der in Rußland lebenden Sekte der Karäer: „Infolge der Anzeige des karaitischen Chacham (Rabbiners) von Aupatoria, daß die administrativen Gouvernenlentsbehörden, indem sie die Karaiten mit den Juden verwechseln, auf dieselben die für die Letzteren gesetzlich bestehenden Beschränkungen in Anwendung bringen, hat das Ministerium des Innern im Jahre 1881 durch Zirkulär die örtlichen Autoritäten ersucht, die ihnen unterstehenden Behörden und Personen dahin zu instruieren, daß auf Grund des Gesetzes die Karaiten sämmtliche Rechte genießen, deren die ursprünglichen russischen Unterthanen teilhaftig sind, und zu einer von der Regierung anerkannten Religion gehören, die sich von der Glaubenslehre der Juden unterscheidet. Da nun trotzdem neuerdings wiederum Fälle vorgekommen seien, daß die gegen die Juden erlassenen einschränkenden Gesetze auf die Karaiten angewandt worden, hat der Minister des Innern sämmtliche Minister nochmals darauf aufmerksam gemacht: „daß nach den Bestimmungen des Reichsgesetzbuches die Karaiten, indem sie sich unter dem Schutze der allgemeinen Gesetze des Reiches befinden, sämmtliche Rechte genießen, deren die russischen Unterthanen, je nach dem Stande, zu dem ein jeder gehört, teilhaftig sind, und daß somit die int Reichsgesetzbuch registrierten, auf die Juden bezüglichen beschränkenden Bestimmungen, auf die Karaiten keine Anwendung finden dürfen." Hieraus geht die interessante Thatsache hervor, daß die russische Regierung weniger der semitischen Rasse als der jüdischen Religion Fehde erklärt hat. — Der nationale Sozialistencongreß in Bukarest erklärte sich für die politische Emancipation der rumänischen Juden. — Innerhalb kurzer Zeit sind zwei Australische Juden zu hohen Negierungsämtern ausersehen worden. Herr A. I. Jsaacs wurde zum Generalanwalt für Victoria und Herr Isidor Lissner zum Minister für Bergbau und öffentliche Arbeiten gewählt. — Am 8. Dez. v. I. erfolgte am Fuß des Berges Karmel der erste Spatenstich zum Bau der Eisenbahnlinie Haifa-Damaskus. In Gegenwart der türkischen Oberbeamten und zahlreicher Zuschauer vollzog die Gattin des Vorsitzenden der Baugesellschaft, Frau Pilling, die feierliche Handlung. — Am 13. April stürzte in Eonstantinopel eine Synagoge ein. Die Betenden retteten sich, nur der Synagogendiener wurde leicht verletzt. — Der nunmehrige Eiuwanderungs-Commisär, Dr. Senner, ist noch neu im Amt, aber er hat trotzdem schon bewiesen, daß er der rechte Mann für diesen Posten ist. Herr Senner, welcher sich die Achtung und Anerkennung aller Deutsch-Amerikaner erworben, trifft einschneidende Reformen auf Ellis Island; das ist lobenswert. Präsident Cleveland wußte wohl, als er Herrn Dr. Senner für dieses Amt ernannte, daß ein Senner, welcher fünf Sprachen beherrscht, auch darauf achten wird, daß sich keine unwillkommenen Gäste dahier einschleichen. — Seinen Bericht über die Amtseinführung des Dr. Kerlrowih in Philadelphia schließt der ständige Referent der „Deborah" wie folgt: „Charakteristisch war das Auftreten des neuen Rabbiners im einfachen Anzuge ohne jede berufsmäßige Auszeichnung, welche den abgehenden Rabbiner sowie den Vorbeter auszeichneten. Während bisher nur Einzelne, einzelnen Teilen des Gottesdienstes unbedeckten Hauptes beigewohnt hatten, folgten diesmal die Gemeinde-Vertreter und Gemeinde-Mitglieder — mit unbedeutenden Ausnahmen — dem Beispiele ihres Führers und wohnten dem Gottesdienste entblößten Hauptes bei. — In SrooKlyn wurde ein neues israelitisches Waisenhaus feierlich seiner Bestimmung übergeben.