Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 163 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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163 gleich ein Bethaus ein, das vorläufig noch Geheimnis blieb. Erst 1598 wurde die erste öffentliche Synagoge „Beth-Jakob" eingeweiht. — Am 1. Mai fand in der Synagoge der jüdischen Reformgemeinde in London (Berkeley Street) die Trauung des Herrn Ernest G. Raphael mit Fräulein Flora Saffoon statt. Dieses Hochzeitsfest gab Anlaß zu einer imposanten Beteiligung Seitens des Hofes und vieler hervorragender Notabilitäten. I» der Synagoge wohnten der Ceremonie der Herzog von Fife, der Schwiegersohn des Prinzen von Wales, der russische Gesandte, verschiedene Grafen und Fürsten, Lord und Lady Rothschild, Bischofsheim und Claude Montefiore bei, und an dem darauf folgenden Dejeuner be- * teiligten sich auch der Prinz von Wales und der Herzog von Cambridge. Die Synagoge >var auf's prächtigste mit Blumen und Pflanzen geschmückt und Herr Rabbiner Professor Marks hielt die Traurede. — Bei der Begrüßung des Monarchen Alerander im Palais gratutirte auch der Oberrabbiner Herr Dr. Kernfeld im Namen der serbischen Judenheit, worauf der König mit folgenden huldvollen Worten antwortete: „Ich danke Ihnen für die freundlichen Worte und Ihren Segen! Ich bitte Sie, Ihren Glanbensgenossen in Meinem Namen zu versichern, daß sie stets auf Mich und auf Meinen Schutz rechnen dürfen. Ich kenne die serbischen Israeliten und weiß, daß sie zu den trefflichsten und patriotischsten Bürgern zählen." — Das Hochzeitsgeschenk, welches die Inden Bulgariens dem Fürsten Ferdinand überreicht haben, besteht in einem prächtigen Album, welches mit Brillanten, Rubinen und Smaragden geschmückt ist. Der Wert desselben beläuft sich auf fl. 130 000. — Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Griinwald, bisher in Jungbunzlau, wurde zum Großrabbiner von Bulgarien erwählt. — In Rußland herrschen unter den Juden eigentümliche Zustände. So wurde in Elisabethgrad Herr Ingenieur Temkin zuin Rabbiner gewählt. Die „Selbstemancipation" bemerkt hierzu „Herr Ingenieur Temkin konnte weder seinem religiösen Standpunkt, noch etwa seinem hebräischen Wissen die Wahl zum Rabbiner verdanken, sondern die Gemeinde hat lediglich den jüdischen Patrioten eben als solchen zu ihrem Leiter gewählt." Soll Herr Temkin vielleicht die Wege bahnen und den Anstoß hinwegräumen aus den Wegen Israels.? — In St. Petersburg starb im Alter von neunzig Jahren Herr Aron Kauffmann, der an der Spitze der jüdischen Gemeinde stand. Er hinterläßt eine sehr reichhaltige Bibliothek. — In St. Petersburg wird demnächst ein Rabbinertag abgehalten werden. Die russische Regierung hat bekanntlich die Berufung jüdischer Delegierten angeordnet, um einige wichtige Fragen auf dem Gebiete des religiösen und sozialen Lebens der Juden zu lösen. Durchwegs sollen zu den Beratungen Rabbiner entsendet werden. Diese Einberufung steht in Verbindung mit den Beschlüssen der Palehn'schen Kommission, welche die Aufhebung der Autonomie der jüdischen Kultusgemeinden, sowie die Festsetzung der Zahl der jüdischen Bethäuser im Reiche beschlossen haben soll. Auch unter Kaiser Nikolaus I., auf Anregung des damaligen Ministers der Volksaufklärung, Grafen Uwarow, wurde eine Rabbiner-Delegation nach Petersburg einberufen; damals jedoch handelte es sich um Errichtung von Schulen für die Juden, welche bestimmt waren, letztere dem russischen Staatskörper näherzubringen. Die später thatsächlich errichteten Seminarien in Wilna und Zytomir sowie die Lehranstalten in den nieisten von Inden bewohnten Städten im Zarenreiche haben die Juden zur Bildung angespornt und für die Assimilation derselben mit dem Rusienvolke gewirkt. Die durch diese Schulen gezeitigten Früchte haben später Kaiser Alexander veranlaßt, den Juden die Pforten sämtlicher Lehranstalten im