Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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162 eine besondere Untersuchung statt. — Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich ernannte den Oberlieutnant im Generalstabe Herr Heinrich Porges zum Oberst. Auch sonst wurden beim Mai-Avancemeut viele Juden befördert. — Wie uns berichtet wird, sollen demnächst in der Hauptstadt Siriliens die ersten Schritte zur Gründung einer jüdischen Gemeinde gethan werden. Die wenigen Juden, welche in Kalermo wohnen, werden zu einem Verbände zusammentreten und mit der gemeinsamen Feier der hohen Feste den Anfang machen. — Der deutsche Kaiser hat dem General-Secretär im Italienischen Ministerium des Auswärtigen, HerrnMalvano, den Kronenorden erster Classe mit Brillanten verliehen. — In Floren; ist Frau Sophia Modigliani, Mutter des Orientreisenden Elias Modigliani gestorben. Letzterer befindet sich jetzt aus einer wissenschaftlichen Reise durch den indischen Archipel, um daselbst botanische und zoologische Studien zu machen. Herr Modigliani ist ein würdiger Gefährte seines Landsmannes, des Ingenieurs Luzzatti, der gegenwärtig das hiuterindische Reich Siam bereist und sich auch bei dem dortigen Herrscher, König Chrom Luang, in Vertrauen gesetzt hat. — Die Königin-Regentin von Holland hat mit ihrer Tochter, der jungen Königin, der israelischen Volksschule in Amsterdam einen Besuch abgestattet. Diese wurde von Herrn Rosenthal gegründet und befindet sich mitten im jüdischen Viertel. — Die Rede, welche Herr Oberrabbiner Dr. Dünner in Amsterdam am 7. Tage des Pesachfestes hielt, hat große Aufmerksainkeit erregt. Er wies nach, wie der Glaube an Gott und die Treue zum Herrscherhause in der engsten Verbindung zu einander stehe». Der Herausgeber des „Central Blad voor Israeliten” sandte einen Abdruck derselben der Königin-Regentin, welche mit der jungen Königin wie alljährlich Amsterdam einen Besuch abstattete. Die Königin- Regentin nahm den Abdruck der Rede entgegen und benierkte, daß sie mit Vergnügen bei so vielen Gelegenheiten schon wahrgenommen habe, wie treu und ergeben die Juden der Niederlande ihr und der Königin seien. — Die jüdische Gemeinde in Amsterdam wurde vor nunmehr über 300 Jahren am 22. April 1593 gegründet. Jakob Wrado ein Marrane vorgerückten Alters, war der erste, der von Portugal 1592 auswanderte. Er stellte sich an die Spitze mehrerer „heimlicher Juden", welche zum Judentum zurückkehren wollten. Sie entflohen dem Lande der Scheiterhaufen, um alsbald in andere Gefahren zu laufen. Ihre Flagge wurde unterwegs von einem englischen Schiffe gekapert. Der Kapitän des Schiffes, ein englischer Herzog, war von der außerordlichen Schönheit eines Mädchens, namens Marie Nunes, welches von ihren Eltern den Marranen anvertraut war, so sehr bezaubert, daß er es zur Frau nehmen wollte. Marie schlug die Partie mit dem Bemerken aus, daß sie nur, um das ihren Eltern aufgebürdete Christentum zu verlassen, diese Reise unternoinmen habe und wollte von nun an frei, nur als Jüdin leben. In London machte dieser Fall Aufsehen, auch die Königin Elisabeth ließ sich die gefangene Marranin vorführen, um sie zu sehen. Die Königin fand Wohlgefallen an diesem Mädchen, welches aus religiöser Ueberzeugung den Heirathsantrag eines Herzogs zurückwies, so daß sie mit Marie Nunes in offenem Wagen durch die Straßen der englichen Hauptstadt fuhr und ihr nebst ihren Gefährten ihre Reise fortzusetzen gestattete. Nach einer gefahrvollen Fahrt landeten sie in dem Hafen von Emden. Jakob Tirado war hocherfreut, als er zufällig in das Haus des gelehrten Moses Ury Halewy einkehrte. In Emden konnten die Marranen noch nicht den jüdischen Glauben öffentlich annehmen, weil dies bei den Christen Aegernis hervorgerufen hätte; sie begaben sich daher nach Amsterdam. Moses Ury und sein Sohn Aron folgten ihnen und vollzogen den Uebertritt zum Judentum, auch richteten sie zu-