Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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161 »ach fünfundfünfzigjähriger segensvoller Thätigkeit durch das Verdienstkreuz des Michaelsordens ausgezeichnet.' Bei der Feier, die unter großer Beteiligung stattfand, richtete auch Herr Pfarrer Felsenstein eine herzliche Ansprache an den Jubilar. — In gerlin wurde a»i 16. Mai der siebzigste Geburtstag des Herrn Prof H. Steinthal gefeiert und in Kreslau am 27. Mai der siebzigste Geburtstag des Herrn Dr- David Kosin, Docent am jüdisch-theologischen Seminar daselbst. Wir behalten uns vor, auf das Leben und Wirken dieser beiden hervorragenden, um das Judentuni und die Wissenschaft verdienter Männer, noch ausführlicher zurückzukommen. — Die „Ulagdeb. Zeitung" bewies jüngst in einem ausfühlichen Artikel aus dem Erkenntnis des Reichsgerichts, daß der Ausspruch des Kaisers Friedrich: „Der Antisemitismus sei eine Schmach unserer Zeit" gerichtlich festgestellt sei. — In Holleschau wurde Herr Dr. Jakob Freimann, bisher in Kanitz, zum Rabbiner gewählt, in Disenz Herr Dr. Jakob Spiro aus Homonna und in Unkovar Herr Dr. Julius Diamant. — Man schreibt uns: In der 42. Versammlung der deutschen Philologen und Schulmänner zu Wien hielt am 25. Mai Herr Oberrabbiner Dr. Jakob Tauber aus Prerau einen Vortrag: „Darlegung geschichtlicher Thatsachen zu Eap. 25—31 der Proverbia", der durch die neuen Gesichtspunkte über Entstehungszeit und Tendenz dieser Sprüche als hervorragende exegetische Leistung gewürdigt wurde. — In Wien starb am 2. Mai Herr Prof. Schnitzler, geboren den 10. April 1835 in Gr. Kaniza. Er war ein Mitbegründer der „Wiener medicinische Presse", welche er längere Zeit redigierte. Zuletzt war er Chef-Redacteur der „Internationale Klinische Rundschau" und Herausgeber der klinische» Zeit- und Streitfragen. An seinem Grabe sprachen Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herr Prof. Benedict. — Die ungarische Akademie der Wissenschaften hat in ihrer letzten Hauptversammlung auch folgende Herren zu Mitglieder ernannt: die Herren Historiker Heinrich Marczaliund Dr. Ignatz Kunos, der an der Universität in Budapest türkisch lehrt. Herr Professor Nathaniel Pringsheim wurde zum auswärtigen Mitgliede der Akademie gewählt. Dem Ministerialrat im Justizministerium, Herr Michael Szänto wurde, für ein die internationale Rechtshilfe behandelndes Werk, ein Preis der Akademie von 100 Dukaten zugesprochen. — Die Akademie der Wissenschaften in Krakau hat Herrn Prof. Dr. Leon Sternbach daselbst zum Mitgliede ernannt. — In West starb Herr Marro Krunner, ein durch Reichtum und edlen Sinn gleich ausgezeichneter Mann. Er stammte aus Hohenems. — In Prag wurde am 3. Mai die hundertjährige Gedenkfeier des berühmten Oberrabbiners Ezechiel Landau s. A. (1754—1793) feierlich begangen. In der Altneu-Synagoge wies Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in einer Gedenkrede auf das Wirken des großen Toten hin. Am nächsten Morgen hielt Herr Dr. Ehrenfeld am Grabe des großen Meisters eine Rede. Ein vom Obmann der Beerdigungsbrüderschaft Herrn David Lieben eigens für diesen Zweck verfaßtes hebräisches Gebet wurde vorgetragen. — Gegen den Antisemitismus hat sich Erzbischof Kohn in G'miitz ausgespochen. Derselbe erklärte einer Deputation der israelitischen Kultusgemeinde Kremsier, er mißbillige auf das entschiedenste die antisemitischen Ausschreitungen der Nachbargemeinden. Er werde alles thun, um den Nebel aus der Diözese zu bannen. — Das Urteil über die anläßlich der neulichen Judenhetze in Kolin verhafteten Individuen ist gesprochen. Von den 19 Angeklagten sind 6 wegen Verbrechens der öffenttichen Gewaltthätigkeit zu schwerem Kerker bis zu 10 Monaten, 9 wegen Vergehens des Auflaufs zu Gefängnis bis zu drei Wochen verurteilt worden. 4 Angeklagte wurden freigefprochen. Wegen der Verbreitung der Gerüchte über das „Blutmärchen" findet