Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 nicht liegt. Man vergißt dabei ans nichtjüdischer Seite, daß das Christentum auch ebensowohl seine jerusalemischen Anklänge und Anliegen, als seine universale und internationale, in dem Wort katholisch ausgeprägte Bedeutung hat, und daß trotzdem es nie Jemandem eingefallen ist, christlich und deutsch zu Gegensätzen zu stempeln. Das jetztlebende Geschlecht jüdischer Deutscher, mag es im Mannesmag es im Greisenalter stehn, ist unter ganz anderen Voraussetzungen herangewachsen, als seine Ahnen- Es hat erlebt, was diesen als Wunsch vorgeschwebt: die gesetzliche Gleichberechtigung, rmd zwar wie es sein Prophet Gabriel Rießer ersehnt und verkündet: Hand in Hand mit der Neichseinheit. Ich sage und betone: es hat die gesetzliche Gleichberechtigung erlebt, nicht die tatsächliche, nicht die gesellschaftliche, nicht die gewohnheitsmäßige, nicht die dem Herzen, nur die dem Verstände entsprungene. Der Unterschied ist groß, die Enttäuschung bitter; trotzdem ist das Gesetz der Rahmen, das Soll, der ewige Mahner, der Rufer aus Gewissen : willst du ein Rechtsstaat sein, so mache das versprochene Recht zur Wahrheit. Das die eine, nach außen gerichtete Mahnung; und die nach innen? - Sind sich denn die Deutschen jüdischen Glaubens allerseits — dh. selbstverständlich ihrer zählenden. Mehrheit nach, der Pflichten klar, welche ihnen ihr Deutschtum, ihre gesetzliche Gleichberechtigung auferlegt? Haben sie sich losgelöst von dem Staat im Staate, von dem Begriff der „Judenschaft", den ihren Ahnen die Verfolgungen, Bedrückungen, Zurücksetzungen und Beargwöhnungen verflossener Jahrhunderte aufzwangen? Haben sie aufgehört, sich als Fremdlinge im deutschen Reich zu fühlen, dafür zu halten, eine Volks- und Stammesgemeinsamkeit zu bilden und zu ersehnen? Nicht die Schmähungen von außen sollen darauf antworten, die aus den verschiedensten Gründen, nicht zuletzt aus denen wirklicher oder vermeintlicher Schädigung — störenden Mitbewerbs — uns als Fremdlinge, als Eindringlinge zurückweisen, auch diejenigen unter uns, die wie z. B. ich es von meiner Familie nachgcwiesen habe und Nachweisen kann, und was zu thun Viele in gleicher Lage sind und thun sollten — Jahrhunderte hindurch auf deutschem Boden ein ehrenwertes und ehrenvolles Leben führten, in gemeinnütziger Wirksamkeit Gutes schufen. Nein, Anwort gebe die tägliche Erfahrung in unseren Kreisen. Ich schicke wiederholt voraus: schlechter sind die Juden auf keinen Fall als die Christen, und unterlasse mit gutem Grund eine weitergehende, aus statistischen (schul- und strafstatistischen) Zusammenstellungen sich ergebende, von namhaften Sachkundigen gezogene Folgerung. Nur Eines hinzuzufügen drängt es mich und darf mir nicht als Einseitigkeit oder Chauvinismus ausgelegt werden, um so weniger, als ich ernste, scharfe Wahrheiten zu unterdrücken nicht im entferntesten gewillt bin: es spricht durchaus für den edlen Kern des Judentums und der in Deutschland lebenden Juden, daß die judenfeindliche Bewegung, welche von Jahr zu Jahr seit 1878 immer leidenschaftlicher, immer schmerzlicher, immer verdächtigender sich weitester Schichten bemächtigte, das Ziel nicht erreichte, das derartigen Angriffen streng genommen und bei schwächer gearteten Naturen folgen müßte: das der Verschlechterung, der moralischen Verderbnis. Es wäre ja psychologisch so naheliegend und folgerecht, daß Acht, Hohn und Haß einen Menschen zu gleichen Gefühlen verführt, daß er mit gleicher Münze vergibt, daß er, als ehrlos beschimpft, als Betrüger gebrandmarkt, sei es verzweifelnd, sei es erbittert, ehrlos, betrügerisch wird. Unsere großen Dichter Schiller und Kleist haben uns im „Verbrecher aus