Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 verlorener Ehre," im „Haus Kohlhas" diese Seelenstimmung ergreifend vorgeführt. Gott sei Dank! So nachhaltig haben die religiösen, die sittlichen Lehren des Judentums ihre Kraft bewiesen, daß so wenig sie in den Verfolgungen des Mittelalters, der Flagellanten, der Kreuzznge, der Inquisition, die Juden sittlich herabdrückten» ebensowenig dies den judenhetzerischen Nadelstichen und Kolbenschlägen der letzten fünfzehn Jahre gelungen ist.. Sittlich hoch stehen hier die Gehetzten über den Hetzern. Aber das ist nicht Alles, das reicht noch lange nicht aus. Der sittliche Wert der Bekenner der jüdischen Religion sollte nicht nach den: ihrer Gegner, er sollte absolut ein hoher sein. Dazu mahnt ihre Geschichte, ihre Litteratur, das Heldentum ihrer geistigen Führer aus allen Zeiten. Und hier bleibt noch mancherlei zu wünschen. Seit länger als einem Menschenalter ist die Berufswahl frei in Deutschland — abgesehen freilich vom Höchsten, von Staatsämtern, Offizierkreisen — und mindestens in Sachsen — Professuren. Und dennoch finden wir so viel Juden, die sich Gewerben hingeben, welchen ein volkswirtschaftliches Bedenken entgegensteht, so wenig Handwerker, so viele Händler, so viele die mit Abzahlungsbazaren, Fünfzig-Pfennigbazaren, Pfandleihgeschäften ans die Masse der kleinen Leute speculieren. Ich will mich hier nicht in gesellschaftswissenschaftliche Fragen einlassen über die Vorteile oder Nachteile, die Notwendigkeit oder Einschränkbarkeit dieser auf die Bedürfnisse der ärmeren Volksklasse, der heutzutage sich ausschließlich Arbeiter nennenden Kreise eingerichteten Geschäfte. Wonatsschau. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Kerlin hat einen Preis von 500 Mk. für die beste Erzählung „Hillel und seine Zeit" ausgeschrieben, die für Kinder von 12—16 Jahren angepaßt sein soll, ebenso einen Preis von 200 Mk. für die zweitbeste Jugendschrift gleichen Inhalts. Die Manuscripte sind bis zum 1. Dezember anonym mit einem Motto und einem verschlossenen Couvert, in welchem der Name des Verfassers enthalten ist, an Herrn Dr. G. Karpeles in Berlin einzusenden. — Man berichtet uns: die jüdische Reformgemeinde in Kerlin hat den Bechsteiu-Saal in der Linkstraße auf längere Zeit gemiethet und beabsichtigt daselbst allwöchentlich und an den Festtagen Gottesdienst abhalten zu lassen. — Herr Oberrabbiner Dr. Iellinek sendet uns aus Kaden bei Wien folgende Erklärung: Herr Dr. M. Grünwald hat im VI. Hefte dieser Blätter Seite 127 bemerkt, daß ich auf dem Titelblatte der Uebersetzung der Kabbala von Professor Franck mich Gelinek genannt habe. Dies hatte folgenden Grund- Ich besaß damals keinen für das Ausland gültigen österreichischen Paß. Auch war der Druck von kabbalistischen Werken in Oesterreich zu jener Zeit verboten. Ich fand es daher für geraten, mich Gelinek anstatt Iellinek als Uebersetzer zu nennen. In Fürst's Orient schrieb ich mich Jek, und unter diesem Namen komme ich in der Geschichte der Juden von Dcssauer vor. Die Geschichte meines Uebertrittes von der österreichischen Grenze nach Sachsen, ohne regelrechten Paß für's Ausland, werde ich bei einer anderen Gelegenheit erzählen. Dem Bankier Perutz in Teplitz hatte ich es zu danken, daß ich nach Leipzig, das für mein ganzes Leben entscheidend war, reisen konnte. — Der jüngst erschienene Bericht über das Reichenheim'sche Waisenhaus in Kerlin für das