Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Dieß, itt. H., dürfte genügen, um zu beweisen, daß es den Juden und der jüdischen Litteratur zu keiner Zeit an wirklichem Humor gefehlt hat. daß vielmehr der Humor im Boden des Judentums, das eine Religion des Optimismus, am besten gedeihen kann und in der That auch gedeiht. Denn nur der Optimismus, die Hoffnungsfreudigkeit allein vermag wirklichen Humor zu erzeugen. Den falschen Humor hingegen, gewöhnlich Galgenhumor genannt, überlassen wir mit Vergnügen dem Galgen, Sr. Exzellenz dem persischen Staatsminister Hamau nngesegneten Andenkens und dessen Nachtretern in saecula saeculoruu! Deutsch und Jüdisch von Rechtsanwalt Emil Lehman n. lFortsehung). Mit dieser Ablehnung der judenfeindlichen Verdächtigung, begründet darauf, daß die Juden nicht schlechter sind als die Anderen, ist aber die Sache meines Ermessens nicht abgethan. Die wichtigere Frage ist die innere. Die Geschichte der Juden und des Judentums lehrt dem, der sich nicht oberflächlich, sondern eingehend mit ihr beschäftigt, daß er es hier mit einer ganz eigenartigen Richtung zu thun hat. Voreingenommen, an Aeußerlichkeiten haftende Beurteiler aller Zeiten waren ihnen abgeneigt; tiefereindringende wurden und werden von innigster Verehrung erfüllt. Und das gilt ebenso für den Juden als für den Nichtjuden. Von den letzteren finden wir heute einen guten d. h. großen Teil im Lager der Antisemiten. Von den elfteren sind nicht minder viele antisemitisch angehaucht, bald minder bald mehr aller Teilnahme für jüdische Dinge entfremdet. Woher das? Ist es bloße Zeitströmnng, reine Ansteckung, lediglich Nachahmungssucht, pure Feigheit? Nein, sagen wir es offen heraus. Die Erkaltung und Entfremdung vieler Juden, namentlich des jüngeren, herangewachsenen und Heranwachsenden Geschlechts hat in Deutschland, für das allein ich schreibe, einen anderen, tieferliegenden Grund. Das Judentum hat in der Geschichte eine großartige Elasticität, Umwandlungsfähigkeit und Anempfindungsgeschicklichkeit bewährt. Es hat, die älteste Culturgrundlage für alle jetztlebenden Culturvölker, zugleich die Blüte hellenischer arabischer, provencalischer, romanischer und vorzugsweise deutscher Cultur in sich ausgenommen; aber unser jetztlebendes Geschlecht befindet sich trotzdem in einem Zwiespalt zwischen deutscher Cultur und jüdischer Ueberlieferung. Unser Judentum hat sich noch nicht rein herausgeschält aus dem altorieutalischen Volks- und Brauchtum zum reinen Religionstum. In den Herzen und Köpfeil seiner erleuchteten Männer hat sich diese Scheidung längst vollzogen, in denen der Masse noch nicht. Und hierin finde ich den Grund und die Wurzel des Uebels, der Unbefriedigung in unseren Kreisen, der Gegnerschaft außerhalb derselben. Die beiden Eigenschaften, die an der Spitze dieser Arbeit genannt sind: „deutsch" und „jüdisch", sind keine Gegensätze, aber sie werden zu solchen in den Augen vieler Deutschen, vieler Juden. Man stempelt da jüdisch entweder zu orientalisch, palästinensisch, oder zu kosmopolitisch wie cs sonst hieß, international wie man sich jetzt ausdrückt, und hat da im Haiidnmdrehn einen Gegensatz zu deutsch fertig, der im Begriffe selbst