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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 König, meine und deine Münze hat überall Geltung, so möge statt meines Bildes Mordechais Bild fortan auf allen Münzen fein! So aber ehre ihn nicht!" Der König spricht zu Haman: „Der Mann, der für den König Gutes gesprochen, dem König das Leben gerettet hat, mein und sein Bild sei fortan auf allen Münzen und diese Auszeichnung widerfahre ihm noch." Und Haman spricht: „O König, Befehle und Erlässe wurden in alle Provinzen und Länder gesandt, das Volk, zu welchem Mordechai gehört, zu vernichten und wie sollt er ausgezeichnet werden?" Darauf der König: „Die betreffenden Befehle und Erlässe werden vereitelt und vernichtet werden. Du aber gehe rasch, sehr rasch, vollziehe meinen Befehl, Unterläße nichts von all' dem." Als nun der Bösewicht Haman sah, daß seine Reden fruchtlos ivaren, eilte er in die Schatzkammer mit gebeugter Gestalt, trauernd und verhüllten Hauptes und nahm die Königskleinodien aus der Schatzkammer. Beladen mit den Königskleinodien, führte er das vorzüglichste Roß aus dem königlichen Marstall in Mordechai's Zimmer und spricht zu ihm: „Mordechai, du frommer Mann, Sohn Abraham's, Jsaks und Jakob's, statt des Sackes und der Asche, in die du dich gehüllt, nimm den königlichen Purpur und besteige das königliche Roß." Doch Mordechai glaubte anfangs, daß Haman mit ihm seinen Spott treibe und sprach: „Haman, du Bösewicht, aus der Nachkommenschaft Amalek's, warte einen Augenblick, ich will mein hartes Brot essen und mein bitteres Wasser trinken, dann vollführe deinen ruchlosen Mord und bringe mich auf den Galgen." Haman spricht jedoch zu Mordechai: „Steh' auf Mordechai, du frommer Mann, seit uralten Zeiten sind euch große Wunder wiederfahren, den Galgen, den ich machen ließ, zu meinem Schaden und zu meiner Schande ließ ich ihn machen. Dn aber lege an die königlichen Gewänder und besteige das königliche Roß, und den Befehl des Königs erfülle," Mordechai sieht nun, daß Hamans Worte ernst gemeint sind und spricht zu ihm: „Der Mann, der drei Tage und drei Nächte gefastet hat, kann der ein königliches Roß besteigen?" Als Haman dieß hörte ging er in die königliche Schatzkammer, nahm die wohlrichendsten Salben und Spezereien, salbte ihn damit, legte ihm die königlichen Gewänden an und gab ihm von den Speise», die die fromme Königin Esther dem Mordechai gesandt hat. Die Agada überbietet diese humoristische Schilderung noch durch folgende Ausschmückungen: „Als Haman, erzählt sie, dem Mordechai das königliche Gewand anlegen wollte, sprach dieser: „Das geht nicht, ich bin ja noch nicht gewaschen, ich bin ja, wie du siehst, in einen Sack gehüllt, und Haman dürfte es sich nicht verdrießen lassen, ein Bad zurecht zu machen und dem Mordechai beim Bade behilflich zu sein. „Nun setze die Krone auf," sprach Haman- „Auch das geht nicht," sprach der durch das Bad erfrischte Mordechai, „ich muß mir doch vorerst das Haupthaar schceren lassen." Se. Exzellenz der Minister Haman holte eine Scheere und verrichtete mit höchst eigener Hand die Dienste eines Friseurs. „Nun besteige das königliche Roß" fuhr Haman fort- „Ach", erwiderte Mordechai, „ich bin zu alt und zu schwach, um allein auf dieses Roß steigen zu können." Und Haman mußte seinen Rücken beugen, damit Mordechai von demselben aus ans das Ros; gelangen könne Als nun endlich Haman, gemeine Heroldsdienste versehend, den von ihm gehaßten Mordechai durch die belebtesten Straßen Susa's führt und ausruft: „Solches widerfährt nur dem Manne, an dem der König besonderes Wohlgefallen findet," schüttet Seresch, des Haman ebenbürtige Gattin, in der Meinung, daß der im Kvnigsstaat Prangende, so öffentlich gefeierte Mann ihr Gatte sei und Mordechai der Herold, einen Tops unnennbaren Parfüms auf Hamans Antlitz, dessen penetranter Geruch nicht so leicht verschwand.

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