Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969803--3898-2973456
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

153 Sinne mit vollen Rechte von sich sagen: „Homo sum, humani nihil a me alienum esse puto.” (Ein Mensch bin ich und nichts Menschliches glaube ich von mir fernhalten zu dürfen.) Der Humorist will eben lachen und lachen machen, und je höher die Persönlichkeit steht, einen desto größeren Reiz besitzt sie für Humoristen. So sei noch folgende humorvolle Ausführung in Bezug auf Moses aus dem Midrasch Tanchuma hier angeführt: Als Moses das Stiftszelt in der Wüste vollendet hatte, sprach er: „Ich kenne die scharfen Zungen und üblen Nachreden meines Volkes und will ihm daher über das gespendete Silber und Gold genaue Rechnung ablegen." Er begann nun die Verrechnung bis in's kleinste Detail vor den versammelten Israeliten und bemerkte zu seinem Schrecken den Abgang von 1775 Schekel Silber. „Mein Gott!" rief er ganz bestürzt aus, „jetzt werden die bösen Zungen sich gegen mich erheben, und wer weiß, was einer dem andern über mich zuflüstern wird." Da erleuchtete Gott seinen treuen Diener Moses, er erinnerte sich plötzlich, daß die Hacken für die Säulen aus dem vermißten Silber verfertigt wurden und mit laut vernehmlicher Stimme rief er aus: „Die 1775 Schekel sind für die Hacken zu den Säulen verbraucht worden." Es versteht sich von selbst, daß dies nicht der wahre Grund, sondern nur eine humoristische Fiction des Hagadisten ist, um seinen Zeitgenossen im Lichte der Vergangenheit ein Bild ihres Geredes gegen ihre Lehrer vorzuhalten. Doch es ist Zeit dem Purim, dem humorvollsten Feste unserer an Freudenfesten nicht armen Religio», unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden und die beiden Targumim, besonders dem zweiten, unter dem Namen „Targum scheni" bekannt, das Wort zu leihen. Er schildert nun den unfreiwilligen Besuch Hamans bei Mordechai, wie jener ihm mitteilt, daß er dem Befehl des Königs gemäß, in das königliche Gewand gehüllt, das königliche Roß besteigen möge, wie folgt: Als Haman den Auftrag erhielt, die Königskleider und den Königsschmuck aus der königlichen Schatzkammer zu holen, sprach er zum König: „O König, viele Juden giebt es in deiner Residenz Susa, deren Name Mordechai ist; zu welchem von ihnen soll ich gehen?" „Gehe zum Juden Mordechai, der Gutes für mich gesprochen, mir das Leben gerettet hat und in meinem Thore wohnt." Haman verdroß dieß gar sehr, sein Antlitz verzerrte sich, seine Augen wurden trübe, sein Mund verdrehte sich, seine Gedanken wurden verwirrt und seine Kniee schlotterten. Schmerzdurchzuckt sprach er zum Könige: „Herr und König, es giebt viele Mordechai in Susa, zu welchem soll ich denn gehen?" „Ich sagte dir doch," rief der König zornig aus, „zu dem Mordechai, der in meinem Thore sitzt." „Majestät du besitzest viele Thore," erwiderte Haman „und ich weiß nicht, in welchem Thore er sich befindet." Darauf der König zu Haman: „Ich sagte doch, daß er am Thore sitzt, wo man von dem Frauensaale zum Königssaale geht!" Haman erwiederte: „Herr und König! dieser Mann ist mein und meines Vaters Feind; zehn tausend Talente Silber will ich ihm geben, aber diese Ehre möge ihm nicht zu Teil werden." Und darauf der König. „Zehn tausend Talente Silber gieb ihm, über dein Haus setze ich ihn und auch diese Ehre wird ihm nicht entzogen werden." Haman bat daraus: „Meine zehn Söhne mögen vor dem Pferde einherlaufen, diese Ehre jedoch werde ihm nicht zu Teil." Worauf der König: „Du, deine Söhne und dein Weib seien Mordechais Knechte, aber auch diese Auszeichnung werde ihm nicht entzogen." Haman entgegnete: „Ein gemeiner Mann ist Mordechai, setze ihn zum Herrn über eine Provinz, so jedoch zeichne ihn nicht aus." Und der König erwiderte: „Ueber Provinzen und Länder will ich ihn setzen, zu Wasser und zu Land sott er herrschen und auch diese Auszeichnung werde ihm zu Teil!" Haman flehte hierauf: „O

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.