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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 „Verbot das Stehlen Gottes Lippe, Wie nahm er Adam denn die Rippe? Das mag wohl nicht gestohlen sein Wenn jemand Gold dir giebt für Bein." Wir wollen nun dem Könige Salomo unsere Aufmerksamkeit zuwenden, der ja bekanntlich alles eher als ein Weiberfeind gewesen. Von ihm berichtet der Midrasch u. A. folgendes: „König Salomo beobachtete einst zwei Schmetterlinge, die an dem Giebel seines Tempels sich befanden: „Sieh', diesen prachvollen Tempel vermag ich mit einer Schwingung meiner Flügel zu zertrümmern." Die Gattin blieb ruhig und bewunderte pflichtgemäß die Macht ihres Herrn und Gebieters. Salomo, dem bekanntlich nichts geheim war, der der heiligen Schrift zufolge die Sprache der Tiere, der Pflanzen und der Steine (1. B. der Kön. V. 13) ebenso gut verstand als die der Menschen, lächelte ob dieser Selbstüberhebung, zog aber trotzdem unfern Herrn Schmetterling zur Rechenschaft und fragte ihn, wie er es wagen konnte, solch' lügnerische Reden zu führen. „Verzeihung!" stammelte zitternd der Schmetterling, „ich sagte cs nur, um meiner Gattin zu imponieren." „Gut!" sprach der König, „für heute sei es dir verziehen, doch hüte dich je wieder so etwas zu thun." Inzwischen harrte im bangen Zittern die Ehegattin dem Herrn Schmetterling entgegen, da sie um dessen Leben besorgt war. Nach langem, bangem Harren sieht sie ihn endlich lebendig zurückkehren, umarmt ihn und frägt ihn: „Sage mir doch, mein Lieber, was sprach der König mit dir?" „Er bat mich den Tempel nicht zu zerstören. — Es ist dies, m. H., ein so feiner Humor, wie ihn nur scharfsinnige und warmfühlende Menschen hervorzubringen im Stande sind. Oder wie, liegt nicht echter Humor in folgenden Bemerkungen, die der in Bezug auf unfern Lehrer Moses zu den Worten des dieswöchentlichen Abschnittes der h. Schrift (2. B. M. 388) macht. Jedesmal, so lesen wir, wie Moses zu dem Zelte hiuausging, stand das ganze Volk ans und schaute dem Moses nach, bis er in das Zelt hineingekommen war. Was bedeuten die Worte „Sie schauten dem Moses nach" fragt der Talmud mit Recht; denn der Mann Moses, der sie aus Egypten geführt, der so oft das Leben in die Schanze für sie geschlagen, der Israels Unglück nicht überleben wollte und die größte Selbstverleugnung in die denkwürdigen Worte faßt, (die wir gleichfalls in dem dieswöchentlichen Abschnitte finden 2. B. M. 32"-): „Und nun» wenn du ihre Sünde verzeihen willst (ist es gut); wenn aber nicht, so lösche mich aus dem Buche des Lebens." Dieser Mann war ihnen doch wohl beut Aussehen nach bekannt? Es müssen also, sagt der Talmud, die Worte „Sie schauten dem Moses nach" etwas anderes bedeuten, u. z. späheten sie seine Worte und Handlungen aus, deuteten sie nach ihrem Belieben, beobachteten jeden seiner Schritte und wie ein Lauffeuer verbreitete» sich die Reden: „Sehet wie dick er wird, wie stark er ist, wie er sich auf unsere Kosten bereichert." Ob er nun spät oder zeitlich nach Hause kam, immer mußte irgend eine seinen Charakter schwächende Ursache dahinterstecken: Kam er spät nach Hause, so sagten sie: „Sehet, das soll unser Vorbild sein, er lebt schlecht mit seiner Frau, langweilt sich zu Hause und deshalb kommt er so spät nach Hause." Kam er wiederum früh nach Hause, so hieß es. „Ja für uns hat er keine Zeit, wenn es aber sein Amüsement gilt, da hat er Zeit genug und kann nicht früh genug nach Hause kommen. Daß sich der Humor selbst an Moses heran gewagt, zeugt eben für dessen Echtheit und Unverwüstlichkeit; denn auch der Humor kann in einem gewissen

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