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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 Litteratur int nachbiblischen Schrifttum besteht und dieses des Humors entbehre, daß nämlich mit der Zerstörung des Tempels und dem Untergange des jüdischen Staatswesen auch der in der Bibel nicht wegzuleugnende Humor geschwunden sei« Und wäre dem wirklich so, ^wahrlich. wir würden es begreifen! Wohl hat die Not und der Druck sich an Israels Fersen gekettet, wohl versuchte man die Israeliten geistig und körperlich zu vernichten, aber der Sprungfeder gleich, die, je mehr sie gedrückt wird, auch wenn der Druck nur einen Augenblick schwindet, sofort in die Höhe schnellt, so war es mit Israel. Israels Lehrer jedoch haben schon zur Zeit des Talmud es ausgesprochen, daß der göttliche Geist nur auf dem ruht, der weise, tapfer, reich und heiter ist, der von Freuden erfüllt ist. Deshalb lustwandelte man zuerst in dem Garten der Hagada, bevor man in die ernsten Hallen der Halacha trat. Ja, der Gesetzeslehrer Amora Rabba machte es den späteren Lehrern zur Pflicht, jeden halachischen Vortrag mit miltha di-b’dichutha d. h. mit humoristischen Reden zu eröffnen (Pesachim 109a). Die Worte: Die Stadt Susa war heiter und freudig, übersetzt der Paraphrast des larguu scheni: Die Stadt Susa war voll Freude und Humor. Besonders hervorragend als Humoristen sind die Tannaiten Rabbi Meir und Rabbi Elieser Hakkappar^) gewöhnlich bar Kappara genannt und Abahu aus Cäsarea. Doch gestattet uns die Zeit nicht, diese ausführlich zu behandeln und wir müssen uns auf weniges hier beschränken. Ich erlaube mir daher, m- H. Ihnen einige Proben des talmudischen Humors vorzuführen. Und wenn die alten Römer sagten: „a Jove principium,” so ist nach jüdisch-talmudischer Ansicht die Krone der Schöpfung das Weib. Und was berichtet der Talmud über die Schöpfung des Weibes? Moses Mendelssohn, der selber über den Humor geschrieben und eine bedeutende humoristische Ader besaß, übersetzte den diesbezüglichen Midrasch 9) wie folgt: Gott schuf der Weiber erste nicht aus des Mannes Scheitel, daß sie nicht eitel würde; nicht aus des Mannes Augen, daß sie nicht lüstern würde; nicht aus des Mannes Zunge, daß sie nicht schwatzhaft würde; nicht aus des Mannes Ohren, sie hörte sonst nach Allem; nicht aus des Mannes Hände, sie griffe sonst nach Allem; nicht aus des Mannes Füßen» sie liefe sonst nach Allem; Er schuf sie aus der Rippe der unbescholt'neu Rippe, doch haben ihre Töchter von jedes Gliedes Fehler ein kleines Teil bekommen." Daß nichts destoweniger die Achtung vor der Gattin im Judentum stark und tief wurzelt, ist schon daraus zu ersehen, daß die Ehefrau mit dem Ehrennamen „das Haus" versehen wurde und ist auch aus der folgenden humoristischen Antwort eines jüdischen Gesetzeslehrers 10) auf die Frage, mit welchem Rechte denn Gott, ohne den Vorwurf eines Diebes aus sich zu laden, dem ersten Menschen eine Rippe entwenden durfte. Wir geben die Antwort in der trefflichen Paraphrase des verewigten L. Stein, Rabbiner in Frankfurt a. M. (I. Busch's Jahrbuch 1845 p. 184): b) Ueber Bar Kappara vergleiche man Fürst's Litteraturblatt des Orient 1890 p. 36 — 41 u. z. den Aufsatz „Poetische Anklänge in den Talmuden von S. I. Rapaport mit Anmerkungen begleitet von Fr. Delitzsch. ") Midrasch Bereschit rabbah cap. 18; man vergleiche auch die schöne Glossirung dieses Gedichts von Rabbiner Leopold Stein in Isidor Busch's Jahrbuch für Israeliten für das Jahr 1845. 1#) Bereschit rabba, cap. 17.

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