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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 150

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 JT T " ■ ■ Daß der Paraphrast des Targum, sowohl des ersten als des zweiten, und auch der Midrasch, wie die Hagada überhaupt, diesen Stoff sich nicht entgehen ließen, denselben humoristisch auszuschmücken und zu vertiefen, werden wir später zu zeigen noch Gelegenheit haben. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß die Fastnachtsschwänke und Fastnachtsspiele der Megillath Esther ihren Ursprung verdanken und daß diese Rolle der leitende Stern war, der in das Land des Humors führte. Es ist nämlich noch lange nicht gewürdigt worden, daß wir in der römischen und griechischen classischen Litteratur keinen echten Humor vorfinden, und hängt das mit der Theologie und Mythologie dieser Völker zusammen. Wohl konnten sie auch Lachen und die Götter selbst boten durch ihr zügelloses Leben Motive genug, sich über sie lustig zu machen; wirklichen Humor jedoch besaßen sie nicht und konnten ihn nicht besitzen, weil ihnen die Grundlage dazu, die Reinheit des Gemüthes, das sie auf Kosten des Verstandes verkümmern ließen, mangelte. Der Begriff des Humors war den Alten unbekannt und auch in unserer Zeit ist man bei verschiedenen Völkern ganz verschiedener Ansicht; so ist, um nur ein Beispiel anzuführen, dem Engländer Falstaff der Typus des Humors, während er dem Franzosen alles eher, als Humor ist. In seiner berühmten Histoire de la litterature dramatique (Geschichte der dramatischen Litteratur) sagte Jules Janin:6 7) «Achtung vor dem Geist, der Heiterkeit und den Possenreißern, vorausgesetzt, daß jede Nation die ihr eigene Komödie sich erhält. Sie möge lachen nach ihrem Geiste, sich mit den eigenen Bons mots unterhalten. Man kann seinen Nachbaren Gesetze, Sitte, Moden auferlegen, Heiterkeit jedoch kann man ihnen nicht aufzwingen. Man lacht, weil man lacht; man lacht nicht, weil man nicht lacht" Und in demselben Werke sagt er an einer andern Stelle, die allerdings den schelmischen Gaulois verräth, folgendes: „Wir achten die Heiterkeit eben so sehr wie den Heroismus; ein Spaßmacher ist, Alles in Allem genommen, für das Glück eines Volkes ebensoviel wert, wie ein Gesetzgeber oder ein Held. Ihr findet es sonderbar, solches zu behaupten? Das gestern in Kraft gewesene Gesetz ist heute schon ungültig, eine gewonnene Schlacht ruft eine andere hervor, der regierende König macht einem andern Platz, die Dichter selbst und die schönen Personen gehen dahin und welken wie das Gras des Feldes —die Heiterkeit allein stirbt nie aus." Eine merkwürdige wieder an den Humor streifende Uebereinstimmung der Worte in der Esterrolle (Kap. 9, V. 28.), daß, wenn auch alle Feste aufhören würden, das Purimfest dennoch nicht aus dem Gedächnisse der Israeliten schwinden werde, weil aber das Lachen unsterblich ist und bekanntlich als Charakteristikon des Menschen schon von den Alten betrachtet wurde. Wir wollen nun der nachbiblischen Litteratur uns zuwenden. Es könnte uns sonst leicht der Vorwurf treffen, daß der weitaus größere Teil der jüdischen 6) Band 3. p. 360 — 371 Die Stelle lautet im Orginal wie folgt: vouo respeet a Tfisprit, respect ä la gaite, gräce aux bouffons a la condition cependant que chaque nation conserve la comedie qui lui est propre. Qu’elle rie de son esprit, qu’elle s’amuse de ses bons mots. On peut imposer k ses voisins mörne ses lois, meme ses moeurs, rnörne ses modss, on ne leur imposera pas sa gaite,. . On rit parce qu’on rit. 7) Nous respectons la gaite tout comme nous respectons l’heroisme, un bouffon vaut, k tout prendre, pour le bonheur d'un peuple, tout autant qu’un legislateur ou qu’un heros. Quoi-d’etrange ä parier ainsi? La loi d’hier fait place k la loi de demain; la bataille gagnee appelle une autre bataille, le roi qui regne fait place au roi qui va venir, les poetes eux-memes et les belles personnes passent et se kan ent, comme l’herbe des cbamps — la gait6 seule ne saurait mourir.

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