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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 indem wir sein Wirken und Wollen begeistert fortsetzen, dann wird diese Stunde an uns zum Segen sein, denn das Andenken des Gerechten ist und bleibt ein Segen. Amen. Hlber den Kumor in der Mischen Litteratur. Von Dr. M. Grünwald, Großrabbiner von Bulgarien. Vortrag gehalten im Afike-Jehuda Verein (Verein für Verbreitung der Wissenschast des Judentums) in Prag am 4. März 1893. (Schluß). Auch die Psalmen, die Quelle der Liturgie sämmtlicher monotheistischen Religionen^) entbehren nicht des Humors. Giebt es einen feineren Humor, als der in Cap. 115 V. 4-8 enthaltene ist? Da heißt es: „Ihre Götzen, Silber und Gold sind ein Werk der Menschenhände. Einen Mund haben sie und sprechen nicht, Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht, eine Nase und riechen nicht, Hände und tasten nicht, Füße und gehen nicht, mit ihrer Kehle hauchen sie nicht." Allerdings müssen wir eingestehen, daß der Humor hier religiös durchweht ist. Da aber in viel höherem Grade von jüdischem Schrifttum gilt, was Homer vom Zeus sagt, daß er Anfang, Mitte und Ende des Alls ist und Gott daselbst den Mittelpunkt des Denkens und Fühlens bei den Juden war, wird uns der vom religiösen Geiste durchhauchte Humor durchaus nicht überraschen. Ja, wir wagen die Behauptung, daß um mit Spinoza zu reden, echter wirklicher Humor nur sub specie aeternitatis d. h nur dann möglich ist, wenn der Einzelne den Ewigen und d i c Ewigkeit im Auge, im Stande ist, sein unbedeutendes Ich außer Acht zu lassen. Es ist nun Zeit, daß wir die Esterrolle zur Hand nehmen, um darin aufmerksam zu lesen. Wir werden sodann Prachtstücke echten Humors finden, die am besten geeignet sind jeden Zweifel über die Befähigung zum Humor zu verscheuchen. Die Erzählung, daß Haman für den Mann die höchsten Ehren vorschlägt, den der König am meisten auszeichnen will, in der dünkelhaften Meinung, daß sie ihm selbst müsse zu Teil werden und dann gedemütigt wird, diese für sich geträumte Auszeichnung dem Manne persönlich zu erweisen, den er soeben hängen lassen wollte, spricht deutlich genug. Oder können wir uns des Lachens enthalten, wenn wir im Geiste sehen, wie Haman seinen Feind Mordechai in den königlichen Purpur hüllt, auf das königliche Roß setzt, durch die Straßen der Residenz führt und wie ein gemeiner Herold vor ihm ausruft: „Solches geschieht dem Manne, an dessen Würde der König seine Freude hat." und sich dabei mit verbissenem Jngrimme sagen muß: O, ich Verblendeter, von Eigenliebe erfüllter Thor, der ich von Himmelshöhe durch meine eigene Schuld in die tiefste Tiefe wurde herabgeschleudert. Nun muß ich statt meiner Erhöhung die tiefste Erniedrigung an mir selbst vollziehen. b) Den ausführlichen Nachweis hierüber erbringen wir in dem soeben vollständig von uns veröffentlichten Werke: ..Ueber den Einfluß der Psalmen auf die Entwickelung der christlichen Liturgie und Hymnologie mit steter Rücksichtnahme auf die talmudisch-midraschische Litteratur". Kauffmann Frankfurt a. M. 1893.

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