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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-07-01 · Heft 7 (1.7.1893) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 unserem Herzen nie verlöschen werden und als Denkmal der Freundschaft, die das Grab überdauert und ihre lichten Strahlen hineinwebt in die düsteren Schatten des Todes. Ich danke dem Herrn Vorredner, der im Namen der Vereinigung zur Errichtung dieses Denkmals uns in lichtvollen Zügen, das Wirken des großen Toten vorgeführt, der uns ein so herrliches, treffliches Bild seiner Leistungen entworfen, das aus tiefem Empfinden und klarem Verständnis sich zusammensetzt. Ich danke der Vertretung des Mendelssohnvereins für die Kranzesspeude, die sie durch eines ihrer bewährtesten Mitglieder hier hat niederlegen lassen. Wir wissen es ja, was der Heimgegangene dem Vereine gewesen, wie wohl er sich in dessen Mitte gefühlt, wie er dort voll und ganz verstanden wurde, wie er dort die Lichtstrahlen seines Geistes auch voll und ganz über uns ergossen. Es ist bereits hervorgehoben worden, daß er in der Mitte dieses Vereins das letzte Mal öffentlich gesprochen, in einer Art, die Allen, die es hörten, unvergeßlich bleiben wird. Ich danke der Vertretung des Vorstandes und des Ausschusses der israelitischen Gemeinde für ihr Erscheinen und für ihre Beteiligung bei der Weihe des Denksteines ihres großen Lehrers. Es sind jetzt gerade dreiundzwanzig Jahre seitdem die Frankfurter israelitische Gemeinde den siebenundzwanzigjährigen aufstrebenden Gelehrten Dr. Nehemias Brüll an Stelle Abraham Geigers als Rabbiner berief. Die Gemeinde Frankfurt hat sich durch diese That nicht nur ein großes Verdienst um das gesamte Judentum erworben, sondern sie hat davurch selbst das schönste Ruhmesblatt ihrer Geschichte eingefügt, denn Abraham Geiger und Nehemias Brüll bedeuten den Anfangs- und Endpunkt einer elastischen Entwicklung innerhalb des Judentums in diesem Jahrhundert in Wissenschaft und Leben, zu der wir alle Ursache haben mit Stolz und Bewunderung emporzublicken, die richtig gewürdigt und weiter geführt uns manche Kämpfe erspart und manche Siege errungen hätte. Und wenn Dr. Nehemias Brüll während seiner einundzwanzigjährigen Wirksamkeit manchen Widerstand erfahren, manche Enttäuschung erlebt und manche Unbill ertragen, was schadet's, ist ja gerade dies das schönste Zeichen und Zeugnis seiner edlen, selbstlosen, hingebenden Wirksamkeit. Wunden die uns auf dem Schlachtfelde der Gedanken geschlagen werden sind Ehrenzeichen, die wir an unseren Helden nicht missen möchten. Meine Herren! Denksteine verwittern, strahlende Inschriften verblassen, Kränze welken, aber was große Männer im Geiste gewirkt und geschaffen, bleibt ewig, bleibt unsterblich. Wer wie mein sel. Bruder der Endlichkeit Ewiges abgerungen und das ihm nur allzukurz beschiedene Dasein mit dauerndeni Gehalte erfüllt hat, wer wie Nehemias Brüll mit lichtem Geiste, mit reichem Wissen, mit reinem Herzen, mit seltener Bescheidenheit, zu der sich merkwürdigerweise eine bewundernswerte Kühnheit, Festigkeit und Ausdauer im Guten gesellte, gewirkt hat, der hat seinen Namen mit unverlöschlichen Zügen eingegraben in die Tafeln der Geschichte. Sein Geistesbild bleibt aufbewahrt in jener Ruhmeshalle. wo die weilen, die die Wissenschaft als ihre besten und treuesten Söhne mit dem Lorbeer der Unsterblichkeit schmückt. Doch ich will schließen, mein Herz ist der Empfindungen voll, ich will mich nicht der Wehmut hingeben und so wie wir anfangs den herben Schlag mit treuer Ergebung in den Willen Gottes getragen auch jetzt, im Aufblicke zu Gott, den Schmerz zu heiliger Erinnerung verklären, im Aufblicke zu Gott, der gegeben und genommen, im Aufblicke zu dem Herrn über Leben und Tod, dessen Gedanken nicht unsere Gedanken und dessen Wege nicht unsere Wege sind, im Aufblicke zu Gott, der schlügt und verbindet, der verwundet und dessen Hände wieder heilen. Möge uns die Kraft werden, auch das Geistesdenkmal des großen Toten stets zu erhalten,

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