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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-06-01 · Heft 6 (1.6.1893) · p. Seite 141

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 6 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 141 (sequence 21)
Language
German
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davongetragen hatte. Die Kosten sind auf 890,000 Lire veranschlagt. — Der Architekt Herr EmilUlmann, der bereits früher den „großen Preis von Rom" erhalten hat, ist zum Architekten der Stadt Daris ernannt worden. — Die Generalversammlung der israelitischen Religionsgemeinde in Dudapest hat beschlossen, den provisorisch angestellt gewesenen Oberkantor Herrn Adolf Lazarus, in Würdigung und in gerechter Anerkennung seiner bisherigen Amtswirksanikeit zum definitiven Oberkantor am großen Tempel in der Tabakgasse gu ernennen. — Eine von de» Theologen bisher ganz übersehene und auch von den Musikschriftstellern über Vermutungen nicht hinansgeführte, für de» Gottesdienst aber wichtige Frage will Professor Dr. G. Kietschel in Leipzig in der demnächst erscheinenden Schrift: „Die Aufgabe der Orgel bis ins 18. Jahrhundert" behandeln, (Leipzig, Dürr'sche Buchhandlung). Die Schrift will nämlich den Nachweis führen, daß die Begleitung des Gemeindegesanges durch das Orgelspiel bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts nirgends vorhanden war, aber auch im 18. Jahrhundert noch vielfach gefehlt hat. Auch die Frage, welche Aufgabe die Orgel demnach im Gottesdienste gehabt habe, soll einer Untersuchung unterzogen werden. — Als in Deutschland die Juden in ihren Ghettos eingesperrt waren, bestand, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, in jeder größeren Gemeinde, so auch in Frankfurt a. M. innerhalb des Ghettos ein Tanzsaal, in welchem Hochzeiten abgehalten und an gewissen freudigen Tagen Theatervorstellungen gegeben wurden. Manche der Theaterstücke sind uns noch erhalten, darunter auch die Komödie „Von der Verlausung Josephs". Sie sind im Jargon geschrieben und enthalten mit dem Pickelhering alle die derben Spässe, die wir an den Theaterstücken des 16. Jahrhunderts gewohnt sind. — In jüngster Zeit starben kurz nacheinander zwei Männer in Frankreich, welche in der Theaterwelt einen bedeutenden Ruf hatten, Hector Eremieur und Albert Millaud. Man kennt kaum zwei andere Männer, welche so viel dazu beigetragen haben, das Pariser Publikum zum Lachen zu bringen, als H. Cremieux in seinen Bühnenstücken „Orpheus in der Unterwelt", „die hübsche Parfümhändlerin", „der kleine Faust" und tausend andere herrlichen Possen, und A. Millaud in seinen ergötzlichen Satyren im „Figaro", seinen reizenden Versen und Gelegenheitsbeiträgen für das Theater, als „die Frau Erzherzogin" und „Niniche" (das Liebchen). Die Zahl und der Einfluß der Juden in der französischen Theaterwelt sind sehr beträchtlich und obschon Cremieux, Millaud, Offenbach und viele andere von eben so hervorragender Bedeutung nicht mehr zu den Lebenden gehören, üben sie doch noch eine unbestreitbare Herrschaft auf die Bühne aus. Diese Ueberlegenheit der Juden beschränkt sich jedoch nicht auf einen einzelnen Zweig des Theaterwesens. Unter den Theaterpächtrrn und Regisseuren gehören die Namen Carvalho, Koniug, Simon, Mayer, Maurice, Bernhardt, Samuel, Godchaux, David, Cers, Mendel und Derenbourg zu den bekanntesten. Von den Unternehmern stehen Colonne, Strakosch, Ullmann, Mayer und Schurmann in erster Reihe. — In Aerlin ist eine Anstalt zur Ausbildung von jüdischen Kantoren in's Leben getreten. Der in musikpädagogischen Kreisen wohlbekannte Direktor Herr M. Mgodzki, welcher der Leiter eines Konservatoriums für Musik ist, hat innerhalb dieses Institutes eine Kantorenabteilung eingestellt, eine Einrichtung, die der weitreichenden Ziele wegen, die sie verfolgt, allseitige Beachtung verdient. Was bisher gefehlt hat, ist der stufenweise Fortschritt, der methodische, Gang in der Heranbildung des Kantorengeschlechtes, eine systematisch aufgedaute Lehrweise bei der Verfolgung dieses Ziels. Diesem Mangel soll nun abgeholfen werden. Dircctor Wigodzki, der aus den hervorragendsten Instituten Berlins

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