Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 139 (sequence 19)
- Language
- German
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139 26. April den Entwurf betreffend die Reception der Juden ein und der Minister des Innern Hieronymi den Entwurf betreffend die Civilmatrikel. Die Vorlage der Judenreception enthält nur drei Paragraphen, wonach diejenigen Teile des Gesetzartikels 53 von 1868, die vom Uebertritt zwischen christliche» Religiousgesellschaften handeln, auch auf die Inden ausgedehnt werden. Das Gesetz über die Rezeption der Juden lautet: Die israelitische Religion wird für gesetzlich rezipirt erklärt. Der Uebertritt von der christlichen zur jüdischen Religion, sowie umgekehrt, ist gestattet. — Herr Rabbiner Dr. ZilKow aus Warschau läßt in Krakau (Buchdruckerei von Josef Fischer) die heilige Schrift mit polnischer Uebersetzung und Erklärung erscheinen. — Herr Oberlehrer Ign. Spitzer aus Dattonya schreibt uns: Der Budapester Chefredacteur und Herausgeber des „N. P. Journals" Herr Sigm. Brody hat eine humanitäre Stiftung von 250,000 fl. zum Andenken seiner im Monat Januar verstorbenen Gattin Adele gemacht. Von dieser Summe soll ein „Brody Adele Kinderspital" nächstens errichtet werden. Mit der Durchführung desselben wurde der Vorstand der Budapester Neligionsgeineinde betraut. Fernerhin übergab das Bajaer jüd. Gemeindemitglied Herr Marknß L. Fischer der dortigen Gemeinde ein Legat von 100,000 fl. zu humanitären und Schulzwecken. Herr Fischer war nie verheiratet und ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Die Distriktspräsidenten der jüdischen Congreßgemeindeu Ungarns hielten am 10. April in Budapest unter dem Präsidium des Landespräsidenten Herrn Martin Schweiger eine Versammlung ab, in der mehrere hochwichtige, die ungarische Judenheit betreffende Angelegenheiten besprochen und verhandelt wurden. Unter anderem wurde beschlossen, eine „Ung. jüd. Litterarische Gesellschaft" ins Leben zu rufen, welche jüdischen Geist und jüdische Wissenschaft in der Landessprache unter unsern Glaubensgenossen verbreiten soll. — An Stelle des verblichenen langjährigen Präsidenten des „Ung. Israel. Landeslehrervereines" Herrn Elüz6r Szüuto wurde bei der am 4. April in Budapest stattgehabten Generalversammlung der jüdischen Volksschnllehrer Ungarns, der Schuldirector Herr Julius Kornfeld aus Budapest niit Aklamation zum Präses dieses 600 Mitglieder zählenden Landesvereines gewählt. Bezüglich dieser trefflichen Aquisition herrscht unter den ungarischen jüdischen Lehrern eine sehr befriedigte Stimmung. Die ungarischen Rabbinen Herren Dr. Rosenberg, Arad, Dr. Klein, Gr. Burskerek und Dr. Löw, Szegedin erklärten sich bei den Komitats-Congregationen für die kirchenpolitischen Vorlage» der ungarischen Regierung als: Verstaatlichung der Matriken, Zivilehe, Reception der jüdischen Confession, und Religionsfreiheit. Möge dieses Dreigestirn der Aufklärung am jüdischen Horizonte unsres thenern Ungarlandes noch lange, lange Jahre leuchten. —Die Budapester Religionsgemeinde beschloß, einen neuen Tempel in der Leopoldstadt sammt Mädchenschule schon nächstens zu erbauen, denn die Bethäuser sind für 120,000 jüdische Seelen die in Budapest leben, viel zu wenig. — In Paris ist vor Kurzem der Kapitain der Gendarmerie M. Samuel gestorben, dem der Grand-Rabbiner von Lille einen warmen Nachruf widniete. Samuel war ein tapferer und tüchtiger Saldat, ein begeisteter Jude und ein Kenner des jüdischen Schrifttums. — M. Kiltzart-See wurde mit Ministerial-Decret zum Anwalt des Ministeriums des Aeußeren ernannt. Sein unmittelbarer Vorgänger war der verstorbene M. Läonce Lehmann, Ehren-Sekretär der Alliance Jsrcmlite Universelle. — Aus Kom meldet man: Einundvierzig Schüler zweier Budapester Gynmasien waren unter der Leitung ihrer Professoren beim Papste; unter den Schülern befanden sich sieben Juden. Der Papst fragte den