Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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136 vielmehr von ihr resormiren lassen müssen, ist meine Losung nicht resormiren sondern inforiniren gewesen. Es liegt etwas Gegensätzliches und Zwiespältiges darin, wenn man diese beiden Gedanken neben einander ansspricht. Wer von Durren, Welken, Abgestorbenen im Jndentnme spricht, steht ans dem Boom der Reform. — In Lindheim ist ein Oberhessischer Verein für Volksbildung in's Leben gerufen worden, dessen Statuten uns vorliegen. Derselbe, unter dem Präsidium des Herrn Dr. Leopold Ritter von Sachcr-Masoch stehend, hat bereits bedeutende Erfolge anfzuweisen. Die erfreuliche Wirkung des Vereins, der Teilnahme und Unterstützung verdient, zeigt sich auch darin, daß in den meisten inficirten Orten des Büdinger Kreises die antisemitischen Bürgermeister und Gemeinderäte durch Freisinnige verdrängt wurden. — In Köln wurde anläßlich seines 50 jährigen Priester- und 25 jährigen Bischofsjnbiläums der Kardinal Philippus Krkmentz, Erzbischof, auch von einer Deputation der jüdischen Gemeinde daselbst beglückwünscht. Der Rabbiner Herr Dr. Frank überreichte eine Adresse in hebräischer und der Vorstand unter Führung des Herrn I. de Jonge eine deutsche Adresse. Se. Eminenz empfieng die Abordnung auf's liebenswürdigste — In der Märznummer der Westermann'schen „Deutschen illnstrirten Monatshefte" erschien ein populär gehaltener Artikel über Spinoza von Dr. Strauß, Rabbiner in Kradford. — Der 32. Jahresbericht des israelitischen Waisenhauses in Königsberg ist erschienen und war auch das verflossene Jahr ein segensreiches. Für Beköstigung, Beleuchtung, Heizung, Wüsche und Kleidung wurden 11,075,65 Mk. ansgegeben. Gegenwärtig befinden sich 34 Zöglinge in der Anstalt. — Der antisemitische Schriftsteller W. Warr in Hamburg versendet folgende Erklärung: „Auch ich, an Kampfjahren der älteste antisemitische Schriftsteller unserer Zeit! sage mich los von der antisemitischen Bewegung. Faktisch und stillschweigend habe ich es schon seit Jahren gethan. Die Motive zu diesem Schritt wird man in meinem „litterarischen Nachlaß" nach meinem Tode ersehen." — Man schreibt uns ans Dürkheim a. H. (Rheinpfalz) : In den letzten Tagen haben sich aus dem Schoße der hiesigen israelitischen Enltnsgemeinde thatbereite Männer zusanimengefnnden, welche den Ban eines Asyls, einer Zufluchtsstätte für alleinstehende gebrechliche oder betagte Israeliten, erstreben. Ansehnliche Betrüge wurden bereits von edelmütigen Spendern behufs Verwirklichung dieses humanen Projektes gezeichnet. Ein Aufruf an alle Israeliten von nah und fern, dem hiesigen Comite bei der Lösung dieser Aufgabe behülflich zu sein, wird dieser Tage ergehen. Möge dann jeder Menschenfreund mit Wort und That für unsere berechtigte Bestrebung eintreten, damit der Ban eines jüdischen Asyls für die Pfalz in Angriff genommen werden kann. Zur Beantwortung etwaiger Anfragen wird der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde, Herr Nathan Wolf, stets gerne erbötig sei». — I» Driihl am Rhein herrschten innerhalb der 35 Familien zählenden jüdischen Gemeinde bedauerliche Zwistigkeiten. Ein Teil hatte sich abgesondert nnd hielt in einem Zimmer seinen Gottesdienst, während die schöne neu erbaute Synagoge fast leer stand; auch die Kinder wurden vom Religionsunterricht fern gehalten, bis erst jüngst die Regierung zwangsweise einschritt und dem Uebelstand ein Ende machte. Zum diesjährigen Pesachfeste ist endlich der Friede wieder eingekehrt, die Sonderpartei gab ihr Betlokal ans und schloß sich wieder der Genieinde an. — In Köln ist der erste Jahresbericht der unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Lazarus stehenden Religionsschnle der Synagogen-Gemeinde erschienen. Im Sommersemester 1892 wurde die Anstalt von 135 Schülern besucht. — In Hamburg starb jüngst Herr David Samuel Kälber eine stadtbekannte Persönlichkeit; in den