Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 lanpresse, oder die in der ausgesprochenen Absicht erscheint, jüdischen Interessen zu dienen. Aber der jüdische Verfasser oder Verleger stempelt ein Buch oder eine Zeitschrift allgemeinen Inhalts nicht zu jüdischen. Zweitens: wie kommt es denn, daß diese sogenannte Judenpresse so gelesen wird, so viel Anklang findet? Etwa weil sie schlecht redigirt wird? Drittens: woher kommt es denn, daß so viel tüchtige Männer an diesen sogenannten jüdischen Zeitungen beschäftigt sind? Weil ihnen der Staat die Stellung vorenthält, die ihnen nach Vorbildung, Wissen und Befähigung zukommt, sie vom Richteramt, von der Verwaltung, von der Universitütslaufbahn, vom höheren und einfachen Schulanit ausschließt. Wie viel Tausende wären froh, gleich ihren Studiengenossen christlichen Glaubens, die nicht befähigter, nicht fleißiger, nicht gelehrter sind als sie, in den ruhigeren Hafen des Professoren-, des Beamtentums einlaufen zu können! Wie gern würden sie sich mit dem geringeren Einkommen des Staatsdieners befriedigt fühlen. Aber man wies sie ab. Was blieb ihnen übrig, als die rechtsanwaltschaftliche, die journalistische Thätigkeit? Und wahrlich, nicht der Stand der Rechtsanwälte, nicht der der Journalisten darf sich mit Grund über die Collegen jüdischen Glaubens beklagen. Faule Früchte zeitigt jeder Baum. Aber daß hier das jüdische Bekenntnis einen größeren Anteil hätte, als das christliche, ist entschieden zu bestreiten. Wie wenig die Gewinnsucht, der Erwerbssinn in den besten jüdischen Kreisen eingewurzelt sind, das zeigt das leuchtende Vorbild ihrer geistigen Bannerträger, eines Mendelssohn, eines Zunz. Und gleich ihnen haben Hunderte hervorragender Gelehrter emsig geforscht und geschrieben, ohne Professur und ohne Professorengehalt, ohne Staatsamt und ohne Staatsanerkennung. Der Tanz um das goldne Kalb der mühelosen Bereicherung auf Kosten Anderer ist allerdings ein internationaler — aber nicht in dem Sinne der Antisemiten, als ob alle Juden der Welt ihm huldigten, sondern in dem, daß ihm in allen Kreisen, ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses Teilnehmer zuströmen. Der Materialismus, die Gewinnsucht, die Großmannssucht feiern ihre Orgie», Christen und Juden liegen ihnen zu Füßen. Aber weder die Einen als Christen, nock die Anderen als Juden. Menschliche Leidenschaften zu religiösen oder nationalen Eigentümlichkeiten zu stempeln ist ebenso unreligiös, als ungeschichtlich. Die heutigen Juden in Deutschland sind, um es kurz zu sagen, nicht besser und nicht schlechter, als ihre christlichen Mitbürger. Gabriel' Messer-Album. VII. „Von ihren Thaten nähren die Söhne der Sonne sich; sie leben vom Sieg; mit eigenem Geist ermuntern sie sich und ihre Kraft ist ihre Freude." Hölderlin sprachs in einem jener Momente, da die Triumphe aller Olympiaden in dem frohlockenden Gewitter eines unendlichen Sieges sich in seinem Herzen vereinten und sein Herz zerrissen. So hat er mit seinen Leiden besiegelt die Prophetie einer schönen nahen Zukunft, in der das geistig wiedergeborne Hellentum die Europäische Menschheit adeln wird und erheben zur Weltreligion der Freiheit, Liebe und Wahrheit: das Reich des Geistes! Er ehrt alle historischen Formen seines göttlichen Bewußtseins gleich als Entfaltung seines Werdens; iu ihnen allen hat er sein Leben und wird es aus ihnen zum schönen Bilde gestalten. Er ist herabgekommen vom Himmel — das Unendliche wird offenbar im Endlichen;