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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-06-01 · Heft 6 (1.6.1893) · p. Seite 133

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 6 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 133 (sequence 13)
Language
German
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133 zu Fremdlingen, zu Eindringlingen, Wenns hochkommt zu Staatsbürgern zweiten oder dritten Ranges herabgedrückt, schon geben einzelne Regierungen nach und lassen es zu, daß man einjährigen Freiwilligen, trotz ihrer Befähigung, den Offizierrang wegen ihres jüdischen Bekenntnisses vorenthält, ja, sie versagen aus gleichem Grunde Referendaren den Rlchtereid, den Gehalt, den ihre christlichen Alters- und Fähigkeitsgenossen längst erlangten. Und das heißt christlich, heißt conservativ, heißt deutsch! Da haben wir denn aus guter alter Zeit von deutschem Sinn und deutscher Treue, deutschem Rechts- und Gerechtigkeitsgefühl ganz andere Anschauungen gehabt. Nicht von heute und nicht von gestern schreibt sich die Erfahrung : wie segensreich an vielen Orten in Deutschland Genossen unseres Glaubens in den verschiedenartigsten Stellungen dem Gemeinwohl dienten, wie sie als Bolksvertreter in Parlament und Reichstag, auf Einzellandtagen, als Stadträte und Stadtverordnete und in sonstigen Ehrenämtern Zeit und Mühe dem Gemeimvohl opferten. Die Riesser, Jacobi, Lasker, Kosch, Veit, Straßmann sind unvergessene Vorbilder, aber in ihrem Geiste, in ihrem Sinne wirkten und wirken, wenn auch nicht in so glänzender Weise, Tausende ihrer deutschen Glaubensgenossen. Da werden nun uns Jude» die Schacherer, die Wucherer, die Gründer, die unlauteren Gewinnjäger an die Rockschöße gehängt, da wird nun mit dem Anschein volkswirthschaftlicher Weisheit aller Jammer der Zeit, der selbstverschuldete wie der andere, den Juden in die Schuhe geschoben. Sie werden immer reicher, die Andern immer ärmer! Angebliche Privatvereins-Enqueten, die sich hinterdrein als Fälschungen, im besten Fall als niißverständliche Auffassungen darlegen, werden geschickt dazu benutzt, antisemitische Stimmung zu machen und zu fördern. Die alte französische Richterfrage: ou sst la femme? ist jetzt in die deutschantisemitische verwandelt: wo ist der Jude? denn überall, wo es schlecht geht, trägt notwendigerweise ein, ja der Jude die Schuld. So hat sich der morbus antisemitieus, diese neueste Abart des Verfolgungswahns, bez. des Höhenwahns herausgebildet. Umsonst, daß man den davon Behafteten vorhält: seht Euch einmal die Juden au, wie gering die Zahl der Reichen, wie groß die ihrer Armen ist. Sie antworten: ihr unterstützt Eure Armen, so arm wie unsere sind sie nicht. Und auch das wird zum Vorwurf erhoben. Umsonst verweist man sie auf die zweifellos braven, anständigen, rechtschaffenen Juden, darauf daß es schlechte Subjecte überall giebt. Sie antworten: warum sagt Ihr Euch von diesen nicht los? Was heißt das? Sagt sich das Christentum, die christliche Kirche los voil den Räubern, Mördern und Dieben? Versagt sie ihnen den Kirchenbesuch, das Abendmahl, das Begräbnis auf geweihtem Boden? Wann und wo haben wir Juden Verbrecher aus unseren Kreisen unterstützt, gefördert und begünstigt? Man verweist auf die sogenannte jüdische Presse, d. h. auf die großen, tonangebenden Zeitungen, von denen ein Teil, die Antisemiten übertreiben wohl wenn sie sagen 'li3, Juden zu Eigentümern, Verlegern, Redacteuren oder Mitarbeitern haben soll. Dieses Betonen und Beschimpfen der sogenannten jüdischen Presse sollte man sich dreimal überlegen, ehe man sich durch dasselbe ein geistiges Armutszeugnis giebt. Eine jüdische Presse wäre, wie eine christliche, katholische, evangelische, eine solche, die entweder von Geistlichen dieser Bekenntnisse zu confessionellen Zwecken herausgegeben oder geleitet wird, gleich der Cap-

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